Der Besuch bei meiner Mutter letztes Wochenende war anstrengend und schön zugleich. Ich hatte es, bevor ich los fuhr in den Familienchat geschrieben. In der Hoffnung, sich auch ganz in Familie mal wiederzusehen. Absagen in ganzer Länge! Schade. Meine Schwester war zur Weiterbildung. So erzählte sie mir am Telefon, sie wäre das Wochenende nicht da. Schade, dachte ich, aber Ausbildung und Beruf gehen absolut vor. Mein Bruder erzählte mir, dass sie vielleicht am Sonntag kämen, aber nur ein vielleicht. Dann erzählte er im selben Telefonat, dass es doch nicht möglich wäre, sie bräuchten den Samstag, um den Garten zu machen, sich von der Woche auszuruhen und so weiter. Ich war einigermaßen enttäuscht. Tränen nach dem Auflegen. Sonntag, nach dem Frühstück letzter Woche bei meiner Mutter, es war so gegen 09,00 Uhr, fuhr ich in den Friedwald, um IHN zu besuchen. Meinen Mann. Zumindest, das was davon noch übrig blieb. Mein Gefühl. Ich schrieb es bereits im vergangenen Post. Und dann das: Meine Schwester schrieb mir vergangenen Sonntag über WhattsApp, ob ich noch bei ihr vorbeikommen wolle, da war es 09:45 Uhr, ich war schon lange unterwegs zum Friedwald und ehrlich gesagt, nochmal zurück? Nein! Das kam für mich nicht infrage. Es stellte sich nämlich heraus, dass sie auch am Freitag, am Tag meines Ankommens zu Hause gewesen war und da hätte man sich doch sehen können, wenn es Allen so wichtig wäre. Ja wäre! Dieses Wochenende fahren mein Bruder und meine Schwägerin nebst Familie zu meiner Mutter. Diesen Samstag! Oh mein Gott, warum nur? Warum ist es so? Einige Gedanken gehen mir durch den Kopf. Vielleicht wegen den Zuwendungen von meiner Mutter für Ihre Enkel? Obwohl meine Kinder lange nicht so großzügig und kontinuierlich bedacht werden. Ich bekomme vielleicht aller Zwei Jahre mal ein paar Euro für sie. Ungerecht. Wirklich. Ich sortiere meine Gedanken. Natürlich tut es weh. Das eine Mal können sie nicht kommen, weil ihnen der Samstag heilig ist und ein anderes Mal, vornehmlich wenn ich nicht da bin kommen sie Samstag mit Ausreden, die so fadenscheinig sind, das man sich an den Kopf fassen könnte. Sie haben es auch schon gebracht, dass sie Sonntagmittag zu meiner Mutter gefahren waren und fanden es höchst bedauerlich, dass ich, Sonntagmorgen wegen meiner Arbeit nach dem Frühstück wieder nach Hause fahre. Nur einmal habe ich auf sie gewartet, um sie wehnigstens ein paar Minuten sehen zu können. Darüber waren sie sehr überrascht und haben nicht damit gerechnet. Besonders meine Schwägerin, die sich schnell wieder in ihren Emotionen fing. Ich merke sowas deutlich. Mein Fahrtweg ist dreimal so lang, ich brauche für einen Weg dreieinhalb Stunden, um wieder zuhause anzukommen. Das ist allzeit bekannt, jeder weiß das. Ich fange an zu verstehen und schlussfolgere: sie wollen mich nicht. Ich bin in jeglicher Hinsicht unatraktiv für sie geworden. Jupp ist nicht mehr da und ich scheine für sie nur die trauernde Witwe zu sein, die nicht bodenständig genug ist, und in ihren Augen nicht genug verdient, um sich selbst über Wasser zu halten. Was wissen sie schon? Haben sie sich einmal die Mühe gemacht, zu fragen? Ich fühle, dass meine Familie sich immer weiter von mir entfernt, obwohl ich versuche, den Zusammenhalt zu erhalten. Sand im Getriebe. Schon lange. Als mein Bruder noch dies und jenes auf (unserem) meinem Grundstück gemacht hat, er arbeitete früher im Straßenbau, und ich seine Arbeitsleistung über Gebühr vergütet habe, da kamen sie auch noch zu mir, als Jupp noch lebte. Jetzt erbitte und bezahle ich nichts mehr, da ist die Besuchsrate prozentual auf null gegangen. Soviel zum Thema Familie. Sollte sich da wieder was ändern, so werde ich natürlich darüber berichten. Denn ich stelle fest, keine Situation ist für die Ewigkeit gemacht. Aber zurück zum Thema: Ich erinnere mich, als meine Schwester zu weinen anfing, dass unser gemeinsamer Bruder nicht den Arsch in der Hose hatte, zu der gebuchten Ferienunterkunft zu kommen und mit uns beisammen zu sein, obwohl er es in Aussicht gestellt hatte. Und ich frage mich, ob es IHM nicht auch wichtig gewesen ist? Keiner lebt nämlich ewig, wie ich mit dem Weggang von Jupp nun schmerzhaft fest stellen musste. In der Dorfgemeinschaft hier, wo ich lebe, erfahre ich eher eine positive Resonanz. Plötzlich läd man mich ein, zu Abenden, von denen ich immer gedacht habe, ich würde nie dazu gehören können. Heute das Basteln bei Anne und morgen das Entenessen bei Martina. Ich frage mich schon, warum das alles so kommt, oder gekommen ist. Andererseits freue ich mich auf soviel Resonanz. Heute mache ich mir erstmal einen schönen Tag! Egal, was es sein wird. Ich mache das Beste draus. Sollen doch die Anderen bei Kaffee und Kuchen nach Gesprächsthemen suchen. Ich bin jedenfalls nicht mehr (so) traurig.
© Susann Krumpen