Neugierig? Na dann mal los!

Montag, 20. Juli 2026

Acht Tage später - Familienbande

 Es ist nicht einfach, so eine Zeit durchzustehen. Gerade in einer Patchworkfamilie. Da gibt es nicht nur Kinder, sondern auch Exfrauen und deren Männer, Exschwiegersöhne, Geschwister, die man Jahre nicht gesehen hat. Kurz gesagt, der ganze Datenmüll, den man überhaupt nicht braucht. Jeder hat andere Vorstellungen und Wünsche, wie es zu sein hat. Und in Zeiten von Sozial Media zählt jeder kleine Post, jedes Bild, jedes Video. Und sei es noch so wehnig, noch so gering. Es wird, was es immer war, zu einer Großartigkeit, zu lebendigem Leben. Erinnerungen werden zu Juwelen für die, die sie nicht haben. Für mich nicht. Ich mag keinen Schmuck. Ich trage im Herzen, was war, was ist und was sein wird. Wie würde es mein Sohn so treffend ausdrücken: Es war mir ein Fest! 


© Susann Krumpen

Acht Tage später - Ich fühl so mit dir!

 Aufstehen, kurz nach 6 Uhr. Ich wanke durch den Flur, mache in der Küche das Licht an. Micha kommt mir entgegen, erschreckt und sichtlich verschlafen, müde. Wir haben Augenringe, unsere Gesichter sehen irgendwie Scheiße aus. Kaffee, Milch ist alle. Scheiße. Anziehen, kurz das Gesicht waschen und dann der Kaffee. Schwarz, heiß mit viel Zucker, weil es keine Milch mehr gibt und dann los. Ich bringe ihn zum Zug. So richtig munter bin ich nicht, funktioniere nur. Hunger Fehlanzeige. Trotsdem habe ich gefühlt zugenommen, soviel Süßkram die letzten Tage. Nervennahrung. Am Bahnsteig eine Durchsage, falsches Gleis. Ins Auto, zurück. Kaum sind wir da, kommt der Zug. Kurze Verabschiedung, ein Danke und ich hab dich lieb, die Tür schließt, der Zug rollt schon. Ich stehe da. Allein. Der Wind ist kalt. Plötzlich. Ins Auto zurück nach Hause. Noch drei Pakete packen, den restlichen lauwarmen, schwarzen Kaffee trinken und dann. Oh die Zeit, ich muss los. Mein Termin in der Psychischen Ambulanz, der für meinen Mann vorgesehen gewesen war. Schaffe ich das zeitlich eigentlich noch? Türen zuschließen, Pakete für den Postboten raus stellen. Losfahren. Es regnet und es ist kalt. Auch Zuhause. Gerade noch rechtzeitig angekommen stolpere ich die Stufen im Gebäude hoch, auch in der Angst, den Anschluss zu verpassen. Ich komme an, Flure in alle Richtungen, ein Rascheln, oder laufender Wasserhahn. Ich gehe dem Geräusch nach und finde eine Person, eine junge Frau in der Küche, die den Blumen in den Vasen wohl frisches Wasser zu geben scheint. Sie dreht sich um, sagt dass ich mich einen Moment hin setzen soll. Die Zeit bis zum Termin ist längst überschritten, ich bin nervös. Auch wütend. Setze mich, in der Hofnung, hier irgendwann oder irgendwie dran zu kommen. ich nehme mir innerlich vor, so lange zu bleiben, bis mich hier irgendwer aufruft oder beachtet. Angestellte laufen an mir vor bei, kein guten Morgen, nichts. In mir kocht es, ich bin enttäuscht. Sehe ein Schild, eher ein Aufsteller mit einem Herzlich Willkommen! drauf. Bunt geschrieben und bebildert. Was es genau ist, kann ich nicht sagen. Die Stimmung rutscht in den Keller. Eine Angestellte kommt mit 2 leeren GLaskrügen und befüllt diese am Wasserspender. Die Frau, die eben noch in er Küche die Blumen sortiert und frisches Wasser gegeben hatte, läuft mit mehreren kleinen Vasen an mir vorbei. Ein Blatt fällt auf den Boden, sie merkt es nicht. Das Büro, in welches sie geht bleibt offen. Sie sitzt an ihrem Schreibtisch und die beiden Bildschirme verdecken ihr Gesicht ihre ganze Emotion. Dann ruft sie mich auf. Ach, sagt sie Sie sind Frau Krumpen? Ich bejahe es. Bitte ihre Versichertenkarte. Ich habe sie schon in der Hand den ganzen Morgen schon. Aber wie soll ich ihr das rüberreichen? Über, oder zwischen die Bildschirme? Wut steigt in mir auf, meine Hand zittert. Ich reiche die Karte umständlich über und dann zwischen die Bildschirme durch und denke, ob sie es merkt? Ach bitte ihre Überweisung noch. Auch die bekommt sie. Am Liebsten hätte ich sie zerrissen,vor ihren Augen, sie bittet mich wieder Platz zu nehmen. Ich frage, wo ich hin soll. Ja, ja im Flur, da wo Sie eben waren. Ich gehe zurück und setze mich so, dass ich nach Möglichkeit alles im Blick habe. Das Licht im Flur vor mir geht an und aus, Bewegungsmelder. Wehnigstens ist es warm hier. Eine Frau Kommt, sieht mich an und stellt sich vor. Vielleicht eine Psychologin aus der Ukraine? Der Akzent spricht dafür. Sie bittet mich in das Behandlungszimmer und meint, ich soll Platz nehmen und erzählen, um was es geht. Ich spüre Wut, unendliche Wut auf die Klinik, auf Alles. Ich kann nicht reden, der Halz zugeschnürt, trotz der Wut, die tief in mir sitzt. Ich bemühe mich, die Schultern bewusst nach Oben zu halten. Die Kraft fehlt. Und ich sage ihr, dass ich meinen Mann verloren habe. Er ist freiwillig gegangen. Sie Atmet, ich auch. Das ist schwer, sagt sie. Ich weiß, denke ich. Das Gespräch verläuft stockend, sie spürt meine Wut, ich versuche in Bezug auf die Klinik zurückhaltend zu sein, weil ich weiß, dass jedes Wort, welches ich hier verwende auch weiter gegeben werden könnte. und ich beobachte sie. Versuche zwischen den Gesten und Blicken etwas, für mich Brauchbares zu erhaschen. Etwas Echtes. und dann kommt es. Sie erzählt, dass sie ihn kennt. Meinen Mann. Und erzählt von ihm. Ihr Gesicht ist erhellt. Plötzlich. Als hätte dort jemand das Licht angemacht. Ich fühle mich beser und einen Augenblick scheint es einen Rollentausch zu geben. Sie erzählt davon, dass er mich als sein Licht gesehen hatte. Sein Frauchen. Es fühlt sich echt an, als wäre ER im Raum. Ich spüre sein Lächeln, sein Frieden. Den Frieden und das Glück mit mir. Das Gespräch endet mit ein paar, für mich belanglosen Fragen. Ob ich mir was antun würde, Suizidgedanken hätte. Ich denke, was redet sie? Ich bitte um das Ende vom Gespräch und sie begleitet mich heraus bis zum Büro, dessen Tür immernoch offen steht. Die Frau, die hinter ihren schwarzen Monitoren sitzt, bekommt plötzlich ein Gesicht. Schaut mir in die Augen und gibt mir, mit einem freundlichen Lächeln den nächsten Termin. Ich finde erst den Ausgang nicht, bin völlig überwältigt. Dann die Treppe runter, raus, raus an die frische Luft. Sie ist kalt, das ist es, was ich gerade brauche. um mich zu spüren. Meine Seele, mein Inneres. Ich sitze im Auto und warte noch eine Weile, bis ich los fahren kann. Ach der Seitenspiegel ist nur angeklebt und zittert beim Fahren. Ich sollte das reparieren lassen. Nur nicht jetzt. Jetzt fahre ich nach Hause. Mein Magen knurrt. Ich habe seit Tagen nicht richtig gegessen. 


© Susann Krumpen

Sonntag, 12. Juli 2026

Zwölfeinhalb Minuten

Samstag. Ich fahre in die Klinik, um ihn abzuholen. eigentlich freue ich mich schon auf ihn. Endlich! Endlich wieder seine Stimme hören, endlich wieder ihn spüren und nicht das leere Bett neben mir. Es tut so gut, ihn endlich wieder bei mir zu haben! Ich komme in der Klinik an, das Personal freundlich und dann sehe ich ihn! Er scheint sich zu freuen, ich spreche ihn an. Hey, da isser ja wieder. Ein Lächeln in seinen Augen die ganze Welt dreht sich um uns. Es gibt nichts mehr, was mich hier hält. Ich nehme seine Tasche. Hand in Hand gehen wir zum Auto. Und dann los. Nach Hause. Zu Hause angekommen erst mal Kaffee. Ich freue mich total, wie er in alter gewohnter Art und Weise den Kaffee macht und es scheint, als wäre er gar nicht weg gewesen. Ich fühle mich so gut. Schweigend sitzen wir auf der Terasse und trinken Kaffee, essen ein paar Plätzchen und die Sonne scheint, Gräser wiegen sich im Wind. Ich will die Sachen auspacken aber er sagt: Ach Frauchen, dafür ist morgen doch auch noch Zeit" Ich gebe nach, weil ich spüre, dass er Recht hat. Heute gemeinsam kuscheln, sich spüren. Einfach bei ihm liegen. Das ist das größte Geschenk, was er mir heute macht! Sonntag stehe ich auf, er schläft noch. Leise schleiche ich mich aus dem gemeinsamen Schlafzimmer, auch mit dem Gedanken, ihn bloß nicht aufzuwecken. Er braucht seinen Schlaf nach der langen Zeit in der Klinik in einem Zweibettzimmer. Schnarchen ist dort an der Tagesordnung. An Schlaf kaum zu denken. Später sitzen wir wieder auf der Terasse, Frühstück mit Brötchen, Toast, Kaffe und ein Frühstücksei. Es ist schön mit ihm. ich genieße die Momente. Der Tag ruhig, er sucht nach Aufgaben. Ich gebe ihm ein paar Walnüsse zum Knacken, später spielen wir "Stadt, Land, Fluss" und er gewinnt haushoch, immer. Ich ärgere mich etwas darüber, er scheint sich zu amüsieren. Am Abend sage ich ihm, dass ich zu meiner Nachbarin gehe, kurz die Katze füttern, weil die im Urlaub sind. Er nickt und sagt, das wir gleich Abendbrot essen wollen. Ich ziehe los. Der Weg ist nicht weit, gleich das nächste Haus. Die Katze empfängt mich schon, ich gebe ihr Milch und Futter, gieße noch die paar Tomaten und freue mich schon auf das gemeinsame Abendbrot. Ich komme zurück, Stille. Eigenartig, denke ich, wo ist er hin? Komme zur Terasse und sehe ihn am Boden liegen. "Oh, denke ich, vom Stuhl gefallen" . Ich stutze ein paar Millisekunden, dann geht alles ganz schnell. Der Strick um den Hals! ich stürze zu ihm, versuche das krampfhaft zu lösen, bekomme den Strick ab und registriere, dass er nicht mehr atmet, kein Herzschlag, nichts. Mein Herz schlägt schnell, in meinem Kopf hämmert es. Nein! Das darf nicht sein! Ich versuche, rufe ihn an, sein Gesicht blau, er ist noch warm, ohne ein Lebenszeichen. Ich springe auf, greife zum Telefon, rufe den Notdienst, renne zur Nachbarin oberhalb und drücke auf die Klingel. Ich bekomme kaum Luft, kann nicht richtig sprechen, sie reagieren sofort und kommen mit runter gerannt. Der Krankenwagen ist zu sehen. Alles in den paar Minuten. Ich muss atmen, sie übernehmen und es wird fest gestellt, das nichts mehr zu machen ist. In mir hämmert es. Ich war ganze 12 einhalb Minuten weg. In der Zeit. Tränen, Luft holen, alles zugleich. Irgendwoher höre ich den Rettungsarzt, den Pastor, das Bestattungshaus aus der Gegend. Ich höre das Wort Adrenalin, können nichts mehr tun. Wort- und Gedankenfetzen ziehen an mir vorbei. Ich bekomme nicht mehr alles mit. 


© Susann Krumpen

Samstag, 2. Mai 2026

Depressionen ist ein Arsch - der Weg

Natürlich ist es nicht einfach, mit einem Menschen umzugehen, ohne ihn zu überfordern. Zumal er ja in der Klinik ist und lange Weile schiebt, mit sich nichts anzufangen weiß. Leerlauf. Ich kann nur sagen, der Tage hat es auch die gewohnte Leichtigkeit von mir genommen und so sehr ich auch daran ziehe, um sie wiederzuerlangen, destso mehr habe ich das Gefühl, es nicht zu schaffen. Er hat mir einen Brief geschrieben, dass ich seine beste Frau aller Zeiten wäre. Ach menno, er hat ja nur die Eine! und das bin ich! Und da bin ich auch ziemlich stolz drauf. Sie als Leser werden fragen, wie man denn stolz auf seine Beziehung sein kann? Die Antwort ist tiefgründiger, als manch einer denken mag. Wirklich. Die meisten Menschen haben das nicht, oder spüren da etwas anderes. Es ist wesentlich mehr als Ehe und Verbundenheit. Vielleicht eine Seelenverwandschaft. So könnte man es ausdrücken. Ein Schiff, welches auch in tiefen Gewässern noch immer die Segel setzt, nicht um aus dem Sturm so schnell wie möglich heraus zu kommen, sondern um den Wind zu nutzen. Und dann denke ich auch nicht an sein sonntägliches MF, an seine angeblichen Unzulänglichkeiten, die mich sonst immer mal gestört haben. Nein, ich denke nur an ihn. Wie ich ihm begegne, was wir gemeinsam tun und wie wir miteinander umgehen. Das, so finde ich, kann Liebe sein. Echte Liebe. 


© Susann Krumpen

Freitag, 1. Mai 2026

Depressionen ist ein Arsch Teil 1

 Gestern wollte ich ihn besuchen.Meinen Mann. Seit einer Woche ist er in der Psychiatrie, geschlossene Abteilung. Er blieb im Bett, wir sahen uns nicht. Ich durfte nicht zu ihm. Hilflosigkeit. Auf der Fahrt nach Hause dachte ich an die Momente, die wir miteinander geteilt haben. Früher. Depression ist ein Arsch. Wie alles begann: 

Noch Lippenstift und Rouge. Ich möchte gut aussehen. Auch für ihn. Die Fahrt ist lang und mein Herz schlägt vor Aufregung. Endlich angekommen, ein paar Schritte bis zur Glastür. Ich schaue mich um, er ist nirgens zu sehen. Ich drücke auf die Klingel. Es wird aufgemacht Eine freundliche Mitarbeiterin lächelt mich an und verspricht, ihm Bescheid zu geben, zu sagen, dass ich hier an der Tür auf ihn warte. Sie kommt zurück. Allein. Sagt, dass ER nicht kommt. In meinem Kopf hämmert es, mein Herz stolpert, ich ringe nach Luft. Ich bitte noch einmal, ihn zumindest sehen zu dürfen, möchte an der Zimmertür stehen und ihm wenigstes zuwinken, damit er wieder neuen Mut schöpfen kann. Fehlanzeige, keine Chance. Ich werde nicht hereingelassen, aus Rücksicht auf die Mitpatienten. Ich nicke mit dem Kopf, mein Verstand weiß, dass es so ist aber ich muss gehen. Tränen rinnen über mein Gesicht. Ich laufe bis zur Ausgangstür, die sich selbstständig öffnet und hinter mir automatisch schließt. So sehr ich versuche, mich zusammen zu nehmen, es gelingt mir nicht. Schweigend sitze ich im Auto, Tränen rinnen über mein Geschicht, verzweifelt suche ich nach einem Taschentuch, ich nehme die untere Kante von meiner Bluse, um mir die Tränen aus dem Gesicht zu wischen, egal, denke ich. Ich hole ein paar Mal tief Luft und fahre endlich los. Wie lange ich im Auto gesessen habe weiß ich nicht, es war mir egal. Eine Stunde Fahrt. Unterwegs gehen mir verschiedene Szenen durch den Kopf, Dinge, die wir zusammen getan und erlebt haben. 21 Jahre kennen wir uns. Höhen und Tiefen. Und doch bin ich irgendwie erleichtert, als ich zuhause ankomme. Ich höre seine Nachricht auf meinem Handy ab: " Frauchen, es tut mir leid, ich liebe dich!" Tränen. 

Heute, wo ich das Geschehene aufschreibe, um anderen Menschen zu zeigen, dass Depressionen nicht einfach zu händeln sind und ein Besuch in einer psychiatrischen Klinik eine echte Herausforderung sein kann, geht es mir schon etwas besser. Ich habe angefangen, zuhause auszumisten, aufzuräumen und die Wohnung, ja was sage ich, das ganze Haus zu putzen.Und auch wenn es ein langer Weg sein wird, bis wir uns wiedersehen können, bis er entlassen wird, so hat mir der gemeinsame Weg etwas Mut und Kraft geben können. Heute will ich wieder hin fahren, ihn besuchen. Ich kann es kaum erwarten...


© Susann Krumpen

Freitag, 17. April 2026

Mein Sohn und sein Quasselwasser

Eigentlich rede ich gerne mit meinem Sohn. Er ist derzeit 40 Jahre und kümmert sich um zwei Kinder aus einer Beziehung, die heute keine Beziehung mehr ist . Er hängt an ihnen, sie nennen ihn Papa. Soweit ist auch alles in Ordnung. Heute ist wieder so ein Moment, wo er anruft und von einem Thema zum anderen kommt, ohne, dass ich überhaupt eine echte Chance zu haben, irgendwas dazu sagen zu können. Er redet über Grundeinkommen, Politik, Kindererziehung, von den zwei Kindern, wovon ihm keins gehört, er sich aber kümmern möchte. Kommt mit Gesetzten, Straftaten, angeblicher Tatsachen, Mieterhöhung und der momentanen Ausgangslage der Preiserhöhung der Lebensmittel, was gut oder schlecht für den menschlichen Körper wäre und er für heute Abend vorkocht, Lauch, Eier und sonstiges Gemüse, er redet über den Bundestag nebst der Unfähigkeit unserer Minister, über die Energiekrise, Kartellamt, Verfassungsschutz. Er hat Fragen über Fragen, die ich ihm nicht beantworten kann oder möchte. Eigentlich wollte ich nur einen ruhigen, gemütlichen Morgen verbringen und mit meinem Kaffee in der Sonne sitzen, Fehlanzeige. Er redet weiter über Corona und deren Folgeerkrankungen. Dann wieder Kindererziehung, Straftaten, Missbrauch, Körperverletzung, den öffentlichen Verkehrsmitteln, Rassismus und angeblicher Menschlichkeit. Ich komme kaum oder nicht zu Wort, immer mal ein Hmm, oder Ja. Dann schwenkt er um zum Nürnberger Prozess, wieder Rassismus. Ehrenamt und deren Folgen. Mir schwirrt der Kopf. Input, den ich eigentlich nicht brauche. Das Meiste verstehe ich nicht. Er schwenkt von einem Land zum anderen, versucht die Missverständnisse aufzudecken und meint früher wäre alles besser gewesen. Er redet über Journalismus, Gesetze, Afghanistan und Krieg. Ich komme nicht mehr mit, das Telefon knattert. Ich muss aufpassen, wenn er eine Frage stellt, dass ich nicht den Anschluss verpasse. Anstrengend. Wieder ein hmm... und wieder Hmm... Plötzlich lacht er.. Oh, was war der Wortlaut??? Ich ertappe mich, nicht mehr richtig zuzuhören, bin erschöpft und das am frühen Morgen. Der Leser wird sich fragen, warum das Ganze? Ich liebe meinen Sohn und ich glaube, dass er niemanden hat, mit dem er reden könnte. Das Schlussthema ist die Ulsenbande, ein Schmunzeln huscht über mein Gesicht, ich habe die Serien und Filme gerne gesehen...Am Ende frage ich mich, ob das noch eine echte Unterhaltung ist, die Antwort ist eindeutig..


© Susann Krumpen

Donnerstag, 16. April 2026

Liebe in den Taschen - Tränen im Gesicht Teil 7

Wieder einmal so ein Tag! Gerade kommen wir vom Hausarzt zurück, da beginnt er, seine Taschen zu packen. Mit leiser Stimme erklärt ER, was noch zu tun ist. Als wenn die Welt morgen unterginge. Ich habe es schon einmal geschafft, warum sollte ich es nicht nochmals schaffen? Voriges Jahr hatte ich mir mein Handgelenk gebrochen und musste operiert werden. Ausgerechtet rechts. Kein autofahren, kein Kartoffelschälen, kein Po abwischen. Jedenfalls alles mit Links. Mir schwahnt, das daher ein viel benutzes Sprichwort kommt. Jetzt aber zur Realität: Wir sind wieder zuhause, nach fast 2 Stunden im Wartezimmer und eine Einweisung später. Notfall ist angekreutz. Notfall. Ich lese nochmal. Depression ist ein Arschloch, denke ich.Wieder kein Mittagessen. Im Topf kochen 2 Kartoffeln und einige Gemüsemaultaschen. Viel isst er ja nicht mehr. Schon seit Jahren kenne ich meinen Mann als Wenigesser, immer sehr genügsam, immer auch bescheiden. Nie im Vordergrund, er larviert sich durch. Auch dieses Mal dachte er, er würde es schaffen. Fehlanzeige. Nächtliches Schwitzen, Herzrasen, kleine Schritte und leise Stimme. Ich nehme ihn fast nicht mehr wahr. Früher hatte er immer MF (Mundfaulheit) heute würde ich mich freuen, wenn er ein paar Worte reden würde. So ändern sich die Prioritäten. 


© Susann Krumpen