Momente des Glücks. Auch wenn sie selten sind. Immer wieder erlebe ich, dass es winzige Momente gibt, in denen ich glücklich bin. Und dann aber, wieder tiefe Traurigkeit. Ein Wechselbad der Gefühle. Und ich erlebe, je klarer ich sehe, was passiert ist, destso besser kann ich damit umgehen und fühlen, wie es gerade ist. Die Menschen im Ort begegnen mir vorsichtig, wissen Eingangs nicht so recht, was sie sagen, oder wie sie sich bewegen sollen. Im weiteren Gesprächsverlauf wird es oft entspannter, oder auch traurig, je nach Gefühl. und ausnahmslos jeder meint, ich würde das so klar für mich sehen. Ja. Das tue ich, sachlich und klar, so wie er mir entgegen getreten war, auf den Weg, den wir gemeinsam gegangen sind. Ich wähle diese Form als Schutz, für ihn und für mich. Niemand soll sagen, dass er zu feige und ich zu schwach bin. Selbst jetzt noch spüre ich unsere ganze Stärke, auch wenn er nicht sichtbar im Raum oder bei mir sein kann. Er hat noch keine Flügel, die bekommt er erst nach der Urnenbeisetzung. Also schwebt er im Raum, breitet seine Arme aus, um mich zu umarmen, so, wie er es früher immer getan hat. Also raucht er eine, obwohl ich im Garten sitze und ihn nicht sehen kann. Aber ich kann ihn fühlen, nah und immer hinter mir stehend, als wollte er sagen: "Du schaffst das , bleib dran" Manchmal aber, wenn so ein laues Sommerlüftchen weht und die Grashalme sich biegen, da überkommt mich so eine tiefe Traurigkeit, so eine tiefe Demut. Und ich schaue in den Garten und spüre den unschuldigen Windhauch auf meinen Armen, als wollten sie sagen, bitte beeil dich, er ist noch am Leben! Lauf! Und ich eile an den Ort, wo seine Seele in den Himmel stieg, die Hülle liegt nicht mehr dort. Mir hat es nie etwas ausgemacht, wie faltig und unrasiert er gewesen ist, die Seele sprach aus seinen glänzenden, wachen Augen zu mir. Sie haben sein Haus, in dem er wohnte mitgenommen und Dünger daraus gemacht, damit das Leben wieder neu beginnen kann, damit der Kreislauf sich schließt. Die Seele ist unversehrt geblieben. Tränen rinnen über mein Gesicht...
♥♥ Herzens - Angelegenheiten by Susann K. ♥♥
Neugierig? Na dann mal los!
Sonntag, 9. August 2026
Freitag, 7. August 2026
Erste Therapiestunde - fehlende Sexualität
Meine erste Therapiestunde bei einer Therapeutin, die Jupp und ich schon von früher kannten. Damals waren wir zur Paartherapie, weil ich in der Annahme war, dass bei uns "nichts mehr läuft" Es ist ja nicht so, dass mein halbes Leben auf Sexualität ausgerichtet ist, aber dennoch, ein Mal in der Woche wird doch noch drin sein, oder? Na jedenfalls sind wir dahin. Jeder mit seinem Gedanken. In der Therapiestunde erfuhr ich seine Motivation, überhaupt mitzukommen. Was mich eigentlich ein wenig gewundert hatte. ER dachte, ich bekomme von der Therapeutn gesagt, dass ich Rücksicht nehmen soll, auf sein Alter, mehr Geduld mit ihm haben müsste. ICH hingegen beklagte den fehlenden Sex. Nur Kuscheln war mir schlichtweg zu wehnig. Na und es kam ganz anders. Die Therapeutin, obwohl um Einiges älter, hat meinem Mann gesagt, dass er endlich einmal mehr Verantwortung in unserer Partnerschaft übernehmen soll. Das saß. Gewaltig. Ein breites Grinsen machte sich in mir breit und blieb bis heute, nachdem er nicht mehr hier ist. Allein seine Seele spüre ich manches Mal ganz nah bei mir und das gibt mir überhaupt die Kraft, hier weiterzumachen. Ich komme bei der besagten Therapeutin an, die nun noch älter geworden ist, ich bin nicht sicher, aber um die 90 ist sie bestimmt. Und sie empfängt mich mit einem zielgerichteten Lächeln. "Hallo, nehmen Sie Platz bitte". Alte Schule, die mir gerade jetzt besonders gut tut. Ich fange an, zu erzählen, bin froh in ihrer Nähe sein zu dürfen und wir reden über dies und das. Mitten drin der eine Satzvon ihr "Frau Krumpen, verstehen Sie, er hat seine Kraft, seine Ressourcen aufgebraucht. Schlichtweg verbraucht. Da gab es nichts mehr, was er ihnen und sich selbst bieten konnte und das hat er gemerkt" "Nichts ist von ihm übrig geblieben, er hat sich falsch eingeteilt" Ich wusste, dass sie mir das in dieser, oder ähnlicher Form sagen würde, konnte nur nicken, wieder Tränen...
© Susann Krumpen
3 Wochen später - Kaffeemaschine , ach es war so einfach
Vor ein paar Tagen oder sagen wir mal von Anfang an habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wie die Trauerfeier ablaufen soll. Nächste Woche ist es dann soweit. Genau in einer Woche. Eine Dorfbewohnerin, dessen "Freundin" ich angeblich bin, schrieb, es dürfte doch kein Problem sein, siwe würde eine Kaffeemaschine für 90 Tassen besorgen können und die paar Brötchen, die da geschmiert werden sollen, das wäre doch gar nichts. Ich atmete auf. So viel Entgegenkommen hatte ich gerade von der Person gar nicht erwartet. Was ich nicht ahnte, sie tat nach ein paar Tagen so, als wüsste sie von nichts. Tja, ich komme eben aus dem Osten und da wollte sie doch mal zeigen, wie sehr ich die "Freundin" bin, die sie ach ja so liebevoll behandelt.. Nun gut. Ich war kurz enttäuscht, aber ich wusste auch, dass jede Enttäuschung ihre gute Seite hat. zumindest, was diese Frau betraf. Und dabei ist sie ja so gläubig. "Fühl dich behütet" bekomme ich öfters mal per WhattsApp. Was kann ich damit anfangen, nachdem sie mich so fallen gelassen hatte? Ich sah mich um, suchte einen anderen Weg und fand auch einen. Ich bat die Krichengemeinde, mir behilflich zu sein und Zack, ich hatte Erfolg! Somit steht die Kaffeemaschine seit heute bis zum Einsatz bei mir in der Küche. Wenn das mal kein Organisationstalent ist. Ich freue mich total. Es war so einfach. und zudem noch ein gutes Gespräch vor Ort. Und wenn der Tag kommt, dann biete ich der Person mit Freuden einen Kaffee an. Warum nicht. Immer höflich bleiben.
© Susann Krumpen
Donnerstag, 30. Juli 2026
Gedanken zur Dorfgemeinschaft - Kaffeetreffen unterm Kirschbaum
Heute ist Donnerstag, 19 Tage nach Jupps Tod. Da trifft sich ein Teil der Dorfgemeinschaft auf dem Dorfplatz nahe beim Rundling zum gemeinsamen Kaffeetrinken. Seit Tagen überlege ich, ob es angemessen und richtig wäre, dort hin zu kommen. Aus der Kleiderkammer habe ich mich abgemeldet. Ein Teil in mir sagt, komm gib dir einen Ruck, so schlimm wird es schon nicht sein. Du hast es gestern auch zum Fair Teiler in die Kirche geschafft und der Kopf ist noch oben. Ein anderer Teil sagt mir: was werden sie reden, wie werden sie dir entgegentreten? Sind sie still und betroffen und was werde ich sagen? Ich will mich stark machen, wo es nichts zum stark machen gibt. Ich wiege ab und stelle fest, dass es heute besser wäre hin zu gehen, sich "der Sache" zu stellen, obwohl es sich nichts zu stellen gibt. Ich muss mich nicht verstecken, muss nicht so tun, als sperre ich mich selber weg, nur um keine Angriffsfläche zu bieten. Das ist Unsinn. Soll ich was mitbringen? Ja vielleicht was Süßes, dann muss ich keinen Kuchen backen. und ich komme nicht mit leeren Händen. Es wird nicht einfach sein, heute Nachmittag, aber ich weiß, dass der Weg richtig und auch notwendig ist.
© Susann Krumpen
Mittwoch, 29. Juli 2026
Der Himmel schickt keine Sonnenstrahlen - 18 Tage danach
Ich habe Angst. Einfach nur Angst. Vor allen Dingen vor der Zukunft. Schon gestern Abend ging es mir nicht mehr gut. Meine Gedanken traten vom Weg ab und liefen im Kreis. Fragen in meinem Kopf. Was ist, wenn ich ihn nicht mehr habe teilhaben lassen? Immerhin hatte ich all die Jahre immer mehr Aufgaben übernommen, bewusst und unbewusst. Er hat immer erzählt, was für eine tolle Frau er hat. Aber war es denn wirklich so? War es nicht vielmehr so, dass, dadurch, dass ich immer mehr übernehmen musste dann diejenige sein musste, die ihn vom Tisch gedrängt hat? Ihm das Gefühl gegeben hat, nicht mehr dazu zu gehören? Habe ich ihn letztendlich in den Tod getrieben? Habe ich dafür gesorgt, dass für ihn kein Brettchen mehr übrig blieb? Tränen. Ich rufe die Telefonseelsorge an - ein Gespräch, die meine Gedanken wieder ordnet und gerade rückt. und doch, nach dem Auflegen schnellt der stille Vorwurf zurück, wie ein Gummiband, zurück in meinem Kopf. Tränen, immer wieder. Ich hatte ihn aus der Psychiatrie abgeholt, wir sind ein Stück gefahren, zur Tankstelle. und obwohl der Tank fast voll gewesen ist, habe ich ihn das Auto betanken lassen. Er hat sich Süßigkeiten gekauft. Ich habe gelächelt. Aber nun ist er nicht mehr. Alles vorbei - endgültig. Kein Zurück. Ich bleibe zurück und realisiere noch nicht, dass er es war, der sich entschieden hatte, diesen Weg zu gehen.
© Susann Krumpen
Dienstag, 28. Juli 2026
17 Tage später - Mein Mann war kein Weichei
17 Tage sind nun vergangen, seit du nicht mehr da bist. Ich gehe durch die Wohnung, schwebe zwischen den Welten, schaue mir abends im Bett Videos an und fühle mich ruhelos und erschöpft. Immer wieder kommen Gedanken, die ich verwerfe, weil sie unnötig sind und mir die letzte Kraft auch noch weg nehmen. Und ich spüre immer wieder ein laues Lüftchen, sehe Gräser, die sich im Wind wiegen, als wäre nichts geschehen. Leute aus der Nachbarschaft kommen, um zu schauen, wie es mir geht und zu erfahren, was passiert sei. Ich bleibe höflich, nehme mir Zeit. Wir sitzen und reden. Immer die gleichen Worte, der gleiche Film. Sogar die Betonung und die Tränen sind gleich. Die Thesen, mit denen sie kommen sind teils abenteuerlich und es hat sowas von "stille Post". Oh, sagt sie: hat er Tabletten genommen? ich erwiedere: nein, er hat sich aufgehängt. Die Worte kommen kühl, trocken, fast trotzig. Und ich denke, du meine Güte, denken die Leute mein Mann war so ein Weichei? Tabletten, dröhnt es in meinem Kopf. Nein, mein Mann war ein Held, ein echter Held. Mein Held. Er hat es getan, wie es echte Cowboys tun, er hat sich aufgehängt. Mein Gegenüber ist erstaunt, ich sehe ihren Blick mit Genugtung. Ja, denke ich, das hättest du nicht gedacht? Er war verdammt kein Weichei. Ich spüre, wie das saß, ohne das sie was dafür konnte. Ich bin traurig. Warum habe ich so reagiert? Ja, ich weiß es, ich wollte nicht, dass seine Würde beschmutzt wird. Niemand soll es wagen, auch nur irgendein Wort darüber zu verlieren, um ihn klein und ängstlich da stehen zu lassen. Ich bin müde. Gerade jetzt. Aber ich versuche, die Wohnung einigermaßen sauber zu halten, jeder Handgriff ist schwer und kostet mich mehr Zeit und Energie, wie zu normalen Zeiten.
© Susann Krumpen
Montag, 20. Juli 2026
Acht Tage später - Familienbande
Es ist nicht einfach, so eine Zeit durchzustehen. Gerade in einer Patchworkfamilie. Da gibt es nicht nur Kinder, sondern auch Exfrauen und deren Männer, Exschwiegersöhne, Geschwister, die man Jahre nicht gesehen hat. Kurz gesagt, der ganze Datenmüll, den man überhaupt nicht braucht. Jeder hat andere Vorstellungen und Wünsche, wie es zu sein hat. Und in Zeiten von Sozial Media zählt jeder kleine Post, jedes Bild, jedes Video. Und sei es noch so wehnig, noch so gering. Es wird, was es immer war, zu einer Großartigkeit, zu lebendigem Leben. Erinnerungen werden zu Juwelen für die, die sie nicht haben. Für mich nicht. Ich mag keinen Schmuck. Ich trage im Herzen, was war, was ist und was sein wird. Wie würde es mein Sohn so treffend ausdrücken: Es war mir ein Fest!
© Susann Krumpen