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Samstag, 2. Mai 2026

Depressionen ist ein Arsch - der Weg

Natürlich ist es nicht einfach, mit einem Menschen umzugehen, ohne ihn zu überfordern. Zumal er ja in der Klinik ist und lange Weile schiebt, mit sich nichts anzufangen weiß. Leerlauf. Ich kann nur sagen, der Tage hat es auch die gewohnte Leichtigkeit von mir genommen und so sehr ich auch daran ziehe, um sie wiederzuerlangen, destso mehr habe ich das Gefühl, es nicht zu schaffen. Er hat mir einen Brief geschrieben, dass ich seine beste Frau aller Zeiten wäre. Ach menno, er hat ja nur die Eine! und das bin ich! Und da bin ich auch ziemlich stolz drauf. Sie als Leser werden fragen, wie man denn stolz auf seine Beziehung sein kann? Die Antwort ist tiefgründiger, als manch einer denken mag. Wirklich. Die meisten Menschen haben das nicht, oder spüren da etwas anderes. Es ist wesentlich mehr als Ehe und Verbundenheit. Vielleicht eine Seelenverwandschaft. So könnte man es ausdrücken. Ein Schiff, welches auch in tiefen Gewässern noch immer die Segel setzt, nicht um aus dem Sturm so schnell wie möglich heraus zu kommen, sondern um den Wind zu nutzen. Und dann denke ich auch nicht an sein sonntägliches MF, an seine angeblichen Unzulänglichkeiten, die mich sonst immer mal gestört haben. Nein, ich denke nur an ihn. Wie ich ihm begegne, was wir gemeinsam tun und wie wir miteinander umgehen. Das, so finde ich, kann Liebe sein. Echte Liebe. 


© Susann Krumpen

Freitag, 1. Mai 2026

Depressionen ist ein Arsch Teil 1

 Gestern wollte ich ihn besuchen.Meinen Mann. Seit einer Woche ist er in der Psychiatrie, geschlossene Abteilung. Er blieb im Bett, wir sahen uns nicht. Ich durfte nicht zu ihm. Hilflosigkeit. Auf der Fahrt nach Hause dachte ich an die Momente, die wir miteinander geteilt haben. Früher. Depression ist ein Arsch. Wie alles begann: 

Noch Lippenstift und Rouge. Ich möchte gut aussehen. Auch für ihn. Die Fahrt ist lang und mein Herz schlägt vor Aufregung. Endlich angekommen, ein paar Schritte bis zur Glastür. Ich schaue mich um, er ist nirgens zu sehen. Ich drücke auf die Klingel. Es wird aufgemacht Eine freundliche Mitarbeiterin lächelt mich an und verspricht, ihm Bescheid zu geben, zu sagen, dass ich hier an der Tür auf ihn warte. Sie kommt zurück. Allein. Sagt, dass ER nicht kommt. In meinem Kopf hämmert es, mein Herz stolpert, ich ringe nach Luft. Ich bitte noch einmal, ihn zumindest sehen zu dürfen, möchte an der Zimmertür stehen und ihm wenigstes zuwinken, damit er wieder neuen Mut schöpfen kann. Fehlanzeige, keine Chance. Ich werde nicht hereingelassen, aus Rücksicht auf die Mitpatienten. Ich nicke mit dem Kopf, mein Verstand weiß, dass es so ist aber ich muss gehen. Tränen rinnen über mein Gesicht. Ich laufe bis zur Ausgangstür, die sich selbstständig öffnet und hinter mir automatisch schließt. So sehr ich versuche, mich zusammen zu nehmen, es gelingt mir nicht. Schweigend sitze ich im Auto, Tränen rinnen über mein Geschicht, verzweifelt suche ich nach einem Taschentuch, ich nehme die untere Kante von meiner Bluse, um mir die Tränen aus dem Gesicht zu wischen, egal, denke ich. Ich hole ein paar Mal tief Luft und fahre endlich los. Wie lange ich im Auto gesessen habe weiß ich nicht, es war mir egal. Eine Stunde Fahrt. Unterwegs gehen mir verschiedene Szenen durch den Kopf, Dinge, die wir zusammen getan und erlebt haben. 21 Jahre kennen wir uns. Höhen und Tiefen. Und doch bin ich irgendwie erleichtert, als ich zuhause ankomme. Ich höre seine Nachricht auf meinem Handy ab: " Frauchen, es tut mir leid, ich liebe dich!" Tränen. 

Heute, wo ich das Geschehene aufschreibe, um anderen Menschen zu zeigen, dass Depressionen nicht einfach zu händeln sind und ein Besuch in einer psychiatrischen Klinik eine echte Herausforderung sein kann, geht es mir schon etwas besser. Ich habe angefangen, zuhause auszumisten, aufzuräumen und die Wohnung, ja was sage ich, das ganze Haus zu putzen.Und auch wenn es ein langer Weg sein wird, bis wir uns wiedersehen können, bis er entlassen wird, so hat mir der gemeinsame Weg etwas Mut und Kraft geben können. Heute will ich wieder hin fahren, ihn besuchen. Ich kann es kaum erwarten...


© Susann Krumpen

Freitag, 17. April 2026

Mein Sohn und sein Quasselwasser

Eigentlich rede ich gerne mit meinem Sohn. Er ist derzeit 40 Jahre und kümmert sich um zwei Kinder aus einer Beziehung, die heute keine Beziehung mehr ist . Er hängt an ihnen, sie nennen ihn Papa. Soweit ist auch alles in Ordnung. Heute ist wieder so ein Moment, wo er anruft und von einem Thema zum anderen kommt, ohne, dass ich überhaupt eine echte Chance zu haben, irgendwas dazu sagen zu können. Er redet über Grundeinkommen, Politik, Kindererziehung, von den zwei Kindern, wovon ihm keins gehört, er sich aber kümmern möchte. Kommt mit Gesetzten, Straftaten, angeblicher Tatsachen, Mieterhöhung und der momentanen Ausgangslage der Preiserhöhung der Lebensmittel, was gut oder schlecht für den menschlichen Körper wäre und er für heute Abend vorkocht, Lauch, Eier und sonstiges Gemüse, er redet über den Bundestag nebst der Unfähigkeit unserer Minister, über die Energiekrise, Kartellamt, Verfassungsschutz. Er hat Fragen über Fragen, die ich ihm nicht beantworten kann oder möchte. Eigentlich wollte ich nur einen ruhigen, gemütlichen Morgen verbringen und mit meinem Kaffee in der Sonne sitzen, Fehlanzeige. Er redet weiter über Corona und deren Folgeerkrankungen. Dann wieder Kindererziehung, Straftaten, Missbrauch, Körperverletzung, den öffentlichen Verkehrsmitteln, Rassismus und angeblicher Menschlichkeit. Ich komme kaum oder nicht zu Wort, immer mal ein Hmm, oder Ja. Dann schwenkt er um zum Nürnberger Prozess, wieder Rassismus. Ehrenamt und deren Folgen. Mir schwirrt der Kopf. Input, den ich eigentlich nicht brauche. Das Meiste verstehe ich nicht. Er schwenkt von einem Land zum anderen, versucht die Missverständnisse aufzudecken und meint früher wäre alles besser gewesen. Er redet über Journalismus, Gesetze, Afghanistan und Krieg. Ich komme nicht mehr mit, das Telefon knattert. Ich muss aufpassen, wenn er eine Frage stellt, dass ich nicht den Anschluss verpasse. Anstrengend. Wieder ein hmm... und wieder Hmm... Plötzlich lacht er.. Oh, was war der Wortlaut??? Ich ertappe mich, nicht mehr richtig zuzuhören, bin erschöpft und das am frühen Morgen. Der Leser wird sich fragen, warum das Ganze? Ich liebe meinen Sohn und ich glaube, dass er niemanden hat, mit dem er reden könnte. Das Schlussthema ist die Ulsenbande, ein Schmunzeln huscht über mein Gesicht, ich habe die Serien und Filme gerne gesehen...Am Ende frage ich mich, ob das noch eine echte Unterhaltung ist, die Antwort ist eindeutig..


© Susann Krumpen

Donnerstag, 16. April 2026

Liebe in den Taschen - Tränen im Gesicht Teil 7

Wieder einmal so ein Tag! Gerade kommen wir vom Hausarzt zurück, da beginnt er, seine Taschen zu packen. Mit leiser Stimme erklärt ER, was noch zu tun ist. Als wenn die Welt morgen unterginge. Ich habe es schon einmal geschafft, warum sollte ich es nicht nochmals schaffen? Voriges Jahr hatte ich mir mein Handgelenk gebrochen und musste operiert werden. Ausgerechtet rechts. Kein autofahren, kein Kartoffelschälen, kein Po abwischen. Jedenfalls alles mit Links. Mir schwahnt, das daher ein viel benutzes Sprichwort kommt. Jetzt aber zur Realität: Wir sind wieder zuhause, nach fast 2 Stunden im Wartezimmer und eine Einweisung später. Notfall ist angekreutz. Notfall. Ich lese nochmal. Depression ist ein Arschloch, denke ich.Wieder kein Mittagessen. Im Topf kochen 2 Kartoffeln und einige Gemüsemaultaschen. Viel isst er ja nicht mehr. Schon seit Jahren kenne ich meinen Mann als Wenigesser, immer sehr genügsam, immer auch bescheiden. Nie im Vordergrund, er larviert sich durch. Auch dieses Mal dachte er, er würde es schaffen. Fehlanzeige. Nächtliches Schwitzen, Herzrasen, kleine Schritte und leise Stimme. Ich nehme ihn fast nicht mehr wahr. Früher hatte er immer MF (Mundfaulheit) heute würde ich mich freuen, wenn er ein paar Worte reden würde. So ändern sich die Prioritäten. 


© Susann Krumpen