Neugierig? Na dann mal los!

Freitag, 17. April 2026

Mein Sohn und sein Quasselwasser

Eigentlich rede ich gerne mit meinem Sohn. Er ist derzeit 40 Jahre und kümmert sich um zwei Kinder aus einer Beziehung, die heute keine Beziehung mehr ist . Er hängt an ihnen, sie nennen ihn Papa. Soweit ist auch alles in Ordnung. Heute ist wieder so ein Moment, wo er anruft und von einem Thema zum anderen kommt, ohne, dass ich überhaupt eine echte Chance zu haben, irgendwas dazu sagen zu können. Er redet über Grundeinkommen, Politik, Kindererziehung, von den zwei Kindern, wovon ihm keins gehört, er sich aber kümmern möchte. Kommt mit Gesetzten, Straftaten, angeblicher Tatsachen, Mieterhöhung und der momentanen Ausgangslage der Preiserhöhung der Lebensmittel, was gut oder schlecht für den menschlichen Körper wäre und er für heute Abend vorkocht, Lauch, Eier und sonstiges Gemüse, er redet über den Bundestag nebst der Unfähigkeit unserer Minister, über die Energiekrise, Kartellamt, Verfassungsschutz. Er hat Fragen über Fragen, die ich ihm nicht beantworten kann oder möchte. Eigentlich wollte ich nur einen ruhigen, gemütlichen Morgen verbringen und mit meinem Kaffee in der Sonne sitzen, Fehlanzeige. Er redet weiter über Corona und deren Folgeerkrankungen. Dann wieder Kindererziehung, Straftaten, Missbrauch, Körperverletzung, den öffentlichen Verkehrsmitteln, Rassismus und angeblicher Menschlichkeit. Ich komme kaum oder nicht zu Wort, immer mal ein Hmm, oder Ja. Dann schwenkt er um zum Nürnberger Prozess, wieder Rassismus. Ehrenamt und deren Folgen. Mir schwirrt der Kopf. Input, den ich eigentlich nicht brauche. Das Meiste verstehe ich nicht. Er schwenkt von einem Land zum anderen, versucht die Missverständnisse aufzudecken und meint früher wäre alles besser gewesen. Er redet über Journalismus, Gesetze, Afghanistan und Krieg. Ich komme nicht mehr mit, das Telefon knattert. Ich muss aufpassen, wenn er eine Frage stellt, dass ich nicht den Anschluss verpasse. Anstrengend. Wieder ein hmm... und wieder Hmm... Plötzlich lacht er.. Oh, was war der Wortlaut??? Ich ertappe mich, nicht mehr richtig zuzuhören, bin erschöpft und das am frühen Morgen. Der Leser wird sich fragen, warum das Ganze? Ich liebe meinen Sohn und ich glaube, dass er niemanden hat, mit dem er reden könnte. Das Schlussthema ist die Ulsenbande, ein Schmunzeln huscht über mein Gesicht, ich habe die Serien und Filme gerne gesehen...Am Ende frage ich mich, ob das noch eine echte Unterhaltung ist, die Antwort ist eindeutig..


© Susann Krumpen

Donnerstag, 16. April 2026

Liebe in den Taschen - Tränen im Gesicht Teil 7

Wieder einmal so ein Tag! Gerade kommen wir vom Hausarzt zurück, da beginnt er, seine Taschen zu packen. Mit leiser Stimme erklärt ER, was noch zu tun ist. Als wenn die Welt morgen unterginge. Ich habe es schon einmal geschafft, warum sollte ich es nicht nochmals schaffen? Voriges Jahr hatte ich mir mein Handgelenk gebrochen und musste operiert werden. Ausgerechtet rechts. Kein autofahren, kein Kartoffelschälen, kein Po abwischen. Jedenfalls alles mit Links. Mir schwahnt, das daher ein viel benutzes Sprichwort kommt. Jetzt aber zur Realität: Wir sind wieder zuhause, nach fast 2 Stunden im Wartezimmer und eine Einweisung später. Notfall ist angekreutz. Notfall. Ich lese nochmal. Depression ist ein Arschloch, denke ich.Wieder kein Mittagessen. Im Topf kochen 2 Kartoffeln und einige Gemüsemaultaschen. Viel isst er ja nicht mehr. Schon seit Jahren kenne ich meinen Mann als Wenigesser, immer sehr genügsam, immer auch bescheiden. Nie im Vordergrund, er larviert sich durch. Auch dieses Mal dachte er, er würde es schaffen. Fehlanzeige. Nächtliches Schwitzen, Herzrasen, kleine Schritte und leise Stimme. Ich nehme ihn fast nicht mehr wahr. Früher hatte er immer MF (Mundfaulheit) heute würde ich mich freuen, wenn er ein paar Worte reden würde. So ändern sich die Prioritäten. 


© Susann Krumpen