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Dienstag, 28. Juli 2026

17 Tage später - Mein Mann war kein Weichei

 17 Tage sind nun vergangen, seit du nicht mehr da bist. Ich gehe durch die Wohnung, schwebe zwischen den Welten, schaue mir abends im Bett Videos an und fühle mich ruhelos und erschöpft. Immer wieder kommen Gedanken, die ich verwerfe, weil sie unnötig sind und mir die letzte Kraft auch noch weg nehmen. Und ich spüre immer wieder ein laues Lüftchen, sehe Gräser, die sich im Wind wiegen, als wäre nichts geschehen. Leute aus der Nachbarschaft kommen, um zu schauen, wie es mir geht und zu erfahren, was passiert sei. Ich bleibe höflich, nehme mir Zeit. Wir sitzen und reden. Immer die gleichen Worte, der gleiche Film. Sogar die Betonung und die Tränen sind gleich. Die Thesen, mit denen sie kommen sind teils abenteuerlich und es hat sowas von "stille Post". Oh, sagt sie: hat er Tabletten genommen? ich erwiedere: nein, er hat sich aufgehängt. Die Worte kommen kühl, trocken, fast trotzig. Und ich denke, du meine Güte, denken die Leute mein Mann war so ein Weichei? Tabletten, dröhnt es in meinem Kopf. Nein, mein Mann war ein Held, ein echter Held. Mein Held. Er hat es getan, wie es echte Cowboys tun, er hat sich aufgehängt. Mein Gegenüber ist erstaunt, ich sehe ihren Blick mit Genugtung. Ja, denke ich, das hättest du nicht gedacht? Er war verdammt kein Weichei. Ich spüre, wie das saß, ohne das sie was dafür konnte. Ich bin traurig. Warum habe ich so reagiert? Ja, ich weiß es, ich wollte nicht, dass seine Würde beschmutzt wird. Niemand soll es wagen, auch nur irgendein Wort darüber zu verlieren, um ihn klein und ängstlich da stehen zu lassen. Ich bin müde. Gerade jetzt. Aber ich versuche, die Wohnung einigermaßen sauber zu halten, jeder Handgriff ist schwer und kostet mich mehr Zeit und Energie, wie zu normalen Zeiten. 


© Susann Krumpen

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