Ich habe Angst. Einfach nur Angst. Vor allen Dingen vor der Zukunft. Schon gestern Abend ging es mir nicht mehr gut. Meine Gedanken traten vom Weg ab und liefen im Kreis. Fragen in meinem Kopf. Was ist, wenn ich ihn nicht mehr habe teilhaben lassen? Immerhin hatte ich all die Jahre immer mehr Aufgaben übernommen, bewusst und unbewusst. Er hat immer erzählt, was für eine tolle Frau er hat. Aber war es denn wirklich so? War es nicht vielmehr so, dass, dadurch, dass ich immer mehr übernehmen musste dann diejenige sein musste, die ihn vom Tisch gedrängt hat? Ihm das Gefühl gegeben hat, nicht mehr dazu zu gehören? Habe ich ihn letztendlich in den Tod getrieben? Habe ich dafür gesorgt, dass für ihn kein Brettchen mehr übrig blieb? Tränen. Ich rufe die Telefonseelsorge an - ein Gespräch, die meine Gedanken wieder ordnet und gerade rückt. und doch, nach dem Auflegen schnellt der stille Vorwurf zurück, wie ein Gummiband, zurück in meinem Kopf. Tränen, immer wieder. Ich hatte ihn aus der Psychiatrie abgeholt, wir sind ein Stück gefahren, zur Tankstelle. und obwohl der Tank fast voll gewesen ist, habe ich ihn das Auto betanken lassen. Er hat sich Süßigkeiten gekauft. Ich habe gelächelt. Aber nun ist er nicht mehr. Alles vorbei - endgültig. Kein Zurück. Ich bleibe zurück und realisiere noch nicht, dass er es war, der sich entschieden hatte, diesen Weg zu gehen.
© Susann Krumpen
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