Neugierig? Na dann mal los!

Montag, 28. September 2026

Ohne Titel - Die Seele braucht keinen Mantel

Ein Eintrag ohne Titel. Nicht, weil meine Gedanken sich im Kreis drehen. Nein deshalb nicht. Ich weiß schlichweg nicht, wie ich es benennen soll. Es ist viel passiert, der Tage. Oder auch nicht. Meine Gedanken sind ambivalent und im Dorf ist der nächste Trauerfall eingetreten. Das zeigt, dass unser Leben endlich ist und auch ich daran denken sollte, jede Minute zu genießen, zu leben. Man weiß nicht, was später sein wird. Manchmal denke ich daran, die Sachen von Jupp auszusortieren um mir den Schrank zu nehmen, den ER die ganzen Jahre hatte. Und dann lege ich die Schlafanzüge T-Shirts auf einen Haufen, schaue auf die Klamotten, wie sie so am Boden daliegen gleichzeitig überlege ich, wohin eigentlich damit? Mir kommen die Tränen. Sieht der Haufen nicht aus, wie er selber? So ein kleines unglückliches Häuflein, als es ihm nicht mehr gut ging? Zusammengerollt im Bett oder auf der Couch hat er gelegen, fast so, wie dieser Haufen an Schlafanzügen, der jetzt auf dem Boden liegt. Ich muss raus. Erst mal Luft holen. Zuviel Erinnerung, zuviel Gefühl. ich ziehe meine Schuhe an und gehe ein Stück. Die Beine wollen nicht so, wie mein Kopf. Weg von diesem Anblick! Ich komme kaum vorwärts und unterwegs kommt etwas Wind auf. Viel zu trocken für diese Jahreszeit. Man merkt es beim Atmen. Die Luft ist schwühl, warm und trocken. Selbst jetzt am Abend. Dann denke ich nach. War nicht sein Haus, die Hülle, in der seine Seele gewohnt hatte? Das Haus ist verbrannt, zu einem Häufchen Asche. Plötzlich wird mir leichter ums Herz. Die Seele braucht keinen Mantel. Fast unmerklich huscht ein Lächeln über mein Gesicht, die Füsse werden leichter und der Gang schneller. Ich bin auf dem Weg nach Hause - mein Zuhause.


© Susann Krumpen

Dienstag, 22. September 2026

Gedanken zur Selbstständigkeit - die Dielen schwanken

 Manchmal sitze ich hier und weiß nicht recht, was ich schreiben soll. Ich denke an so vieles und mein Kopf ist voller ungeordneter Gedanken, die ich einfach nicht bändigen und unter Kontrolle bringen kann. Immer wieder die Sorge, nicht genug Umsatz mit meinem Geschäft zu machen, es regt sich kein einziges Lüftchen am Einkaufshimmel. Zwar ist der Umsatz heute Vormittag da gewesen, eine kleine Summe von nicht mal einhundert Euro, ich war es in den letzten Tagen gewohnt gewesen, dass die Leute Abends kaufen,der ganze Nachmittag schien wie abgestorben, bis jetzt und wir haben es fast 22 Uhr. Schade. Der Gedanke wiegt schwer. Doch das Geschäft ist unbestimmt. Eigentlich kann ich mich beruhigen. Ich habe heute immerhin drei Rechnungen an Lieferanten zahlen können, sogar in der achttägigen Frist, um Skonto abzuziehen. Jeder Euro, jeder Cent zählt. Weitere Rechnungen warten. Wenn die Ware hier ist habe ich immer diese 8 verdammten Tage. Natürlich kann ich mit der Bezahlung der Ware auch länger warten, bis zu 30 Tagen, aber dann ist das Skonto futsch. In der Vergangenheit ist das oft der Fall gewesen, da habe ich das nicht so tragisch genommen, aber jetzt?  Auch eine Rückgabe vom Kunden wartet auf Ausgleich. Er hat bereits das zweite Mal gekauft, ich habe ihn vertröstet und darauf hin gewiesen, dass die Buchhaltung ein bis zwei Tage braucht, um den Betrag zurück zu überweisen. immerhin 80 Euro, das ist für mein Geschäft kein kleiner Betrag. Das Internet wirkt wie abgestorben. Mein Shop ist aber noch da. Mehrfach habe ich das Inkognito überprüft. Manche Tage glaube ich, fast verrückt zu werden. und während ich hier schreibe, kann ja auch schon wieder jemand gekauft haben, oder nicht? Ich sollte mich eigentlich nicht verrückt machen. Ab November wird Witwenrente gezahlt. Und habe ich kein weiteres Einkommen, so wäre das zumindest sicher. Denke ich jedenfalls. Doch ganz sicher kann man sich da eigentlich nie sein. immerhin habe ich eine kleine Summe ansparen können. Das macht die Sache etwas erträglicher. Und dennoch. Das Geld kann schnell weg sein, schneller wie man glaubt. Ich hoffe für heute das Beste und werde versuchen, mich mit Lesen im Bett etwas abzulenken...


© Susann Krumpen

Sonntag, 20. September 2026

Das Leben geht weiter - Lügen als Geschenk

Heute ist wieder Sonntag und ich war nicht in meinem Lieblingscafe. Nicht zum Arbeiten und auch nicht, um dort ein Stück Torte zu essen. Ich hatte meiner Familie erzählt, dass ich am Wochenende gelegentlich dort aushelfe, um genug Geld für meinen Unterhalt zu verdienen. Statt dessen mache ich Yoga, schreibe hier die Gedanken auf und gönne mir freie Zeit. Der Leser fragt sich nun, warum das Ganze? Es erfüllt gleich mehrere Zwecke. Zum Einen weiß die Familie, ah, sie ist endlich angestellt und unter Dach und Fach, wie man so sagt. Das solidarisiert natürlich, da in unserer Familie keiner selbstständig ist, ausser meine Tochter, die die Angelegenheit natürlich anders sieht. Und wenn es mal heißt, ach kommste das Wochenende, dann kann ich mich zurück lehnen und sagen, geht nicht, ich muss einspringen. Im Cafe. Keiner würde auf die blöde Idee kommen, über 200 Kilometer zu fahren, um zu kontrollieren, ob das auch stimmt. Ja, natürlich könnte ich bei der Warheit bleiben, so wie es normal wäre, aber was ist schon normal in dieser Zeit? Ich möchte mich schützen, meine Gedanken, meine Seele. Nur darum geht es und weil es nicht jeder versteht. Ich habe das Gefühl, je mehr ich mich vom Todeszeitpunkt meines Mannes zeitlich entferne, destso mehr verlangt man "normalen" Umgang von mir. Sicher versuchen sie Verständnis zu zeigen, aber stimmt das wirklich? Die Antwort ist schlichtweg Nein. Niemand zeigt mehr großartig Verständnis in meiner Situation. Jedenfalls fühle und denke ich das so. Neulich habe ich beim Lobpreis gefehlt, ich hatte mich weder abgemeldet noch andersweitig bekannt gegeben, dass ich nicht dabei sein werde. Ich hatte schlichtweg keine Lust und kenne dort kaum jemanden, wenn nicht Marianne gewesen wäre, die mich kurzerhand früher einmal dazu eingeladen hat. Als ich Marianne die Woche darauf sah, sprach sie mich direkt auf mein Fehlen letzter Woche an. Ich antwortete, mir geht es der Tage nicht so gut. Sie entgegnete, was denn los gewesen sei. Ich wäre ihr beihnahe in das Gesicht gesprungen, statt dessen habe ich geantwortet, dass die Zeit gerade nicht einfach für mich ist. Sie entgegnete nur, ach das ist doch schon so lange her. Ja genau am 12.Juli, heute ist der 20. September. Wohlgemerkt das gleiche Jahr. Ja, die Lügen sind nicht schön aber ein Geschenk an mich selbst. Irgendwann werde ich das auch wieder ablegen. Versprochen.


© Susann Krumpen

Donnerstag, 17. September 2026

Vom System verschlungen - Beitragswahnsinn

 Ich öffne den Brief und bin einen Moment ziemlich sprachlos. Warum? Denke ich. Der Beitragssatz der Krankenkasse ist neu fest gelegt. Fast 500 Euro. Mir stockt der Atem und ich fühle, wieTränen in mir aufsteigen! Gerade gestern hatte ich mich beruhigt und geglaubt, dass ich von der Witwenrente einigermaßen leben könnte. Zwar sind es keine Siebenhundert Euro, aber immerhin ein monatliches kleines Polster, so dass ich in Ruhe in den Schlaf kommen kann. Heute trifft mich der Schlag, Tränen rinnen mir über das Gesicht. Ich lese und stiere auf das Blatt. Verstehe erst mal gar nichts. Was haben die sich gedacht, wovon ich leben soll?  Die Zahlen verschwimmen vor meinen Augen. Es ändert nichts, der Betrag ist angehoben und frisst fast meine gesamte Witwenrente auf. Gerade mal Einhundertzwanzig Euro bleiben mir davon übrig. Wie soll ich das verstehen? Wie soll ich da weiterkommen? Warum fühlt sich das so ungerecht an? Fragen über Fragen. Ich bin erschöpft und muss mich hin legen. Es ist ohnehin Mittag. Aber mein Kopf will und will nicht zur Ruhe kommen, die Tränen schaffen es auf das Kopfkissen, es hat feuchte Flecken und fühlt sich unangenehm an. Ich schließe die Augen, sie schmerzen vom vielen Weinen. Die Welt fühlt sich Scheiße an, meine Nase schnieft, ich bekomme kaum Luft. Versuche mich zu beruhigen. Niemand mit dem ich darüber reden könnte. Keine Nachbarin, keine Bekannte oder Freundin. Sie würden nur hinter meinem Rücken tratschen, es gäbe jede Menge Gesprächsstoff im Dorf und lässt Raum für Spekulationen, das möchte ich mir ersparen. Auch meine Tochter nicht. Bei ihr würden die Alarmglocken klingeln und sie würde mir zum wiederholten Male anbieten, mich monatlich zu unterstützen. Genau das möchte ich nicht. Ich stand immer auf eigenen Füßen und jetzt das? Ich fange an zu sortieren und beschließe nach langem hin und Her, die letzten Monatsabschlüsse und die BWA zur Krankenkasse zu schicken, um meine Situation zu erklären. Ich weiß zumindest, dass sie antworten müssen. Ich stehe auf, weil mein Kopf mich nicht zur Ruhe kommen lässt und spüre, dass mein Körper eigentlich Ruhe nötig gehabt hätte. Ich frage mich, wie lange ich das noch durchstehen kann. 


© Susann Krumpen

Mittwoch, 16. September 2026

Spurensuche im Nebel

 Die Tage werden länger, niemand mit dem ich mich austauschen und reden könnte. Heute überrollt mich das Gefühl, welches man wohl Einsamkeit nennt. Ich kannte es vorher nicht und es treibt mir die Tränen in meine Augen. Und ich frage mich, wie lange hatte Er es geplant? Ich suche nach Anhaltspunkten, Gesten, Puzzleteilen. Mal glaube ich auch etwas gefunden zu haben. ER hatte mir eines Tages "Lebe dein Leben" in mein Ohr geflüstert, fast nebenbei, als ich ihn aus der Klinik abholen wollte, mich zu ihm beugte um seine Tasche aufzunehmen, da passierte es. Und ich weiß noch, wie ich mich über diesen einen Satz gewundert und zeitgleich auch geärgert habe. Heute, wo ich hier sitze um das aufzuschreiben, was wir erlebt, gefühlt und getan haben, glaube ich, Puzzleteilchen zu finden, die in das "System" rein passen. Aber die Warheit ist, es ist nur meine Vorstellung davon, wie es gewesen sein könnte. Letztendlich wird man wohl nie erfahren, wie lange sein Suizid vorher geplant gewesen war. Wie lange er mit dem Gedanken gespielt und wann immer er sein Verschwinden vorbereitet hat. Ich frage mich natürlich immer wieder und wieder. Gehe Szenen durch, von denen ich glaube, das sie mir etwas wichtiges sagen wollen. Verwerfe die Gedanken und komme nochmal zu ihnen zurück. Immer wieder und wieder. Ich werde es nicht erfahren können. ER hat MF - für immer, die Tür ist geschlossen. Auch wenn ich seine Seele spüre, glaube sein Lächeln zu sehen, den Sternschnuppen folge und den Wolken hinterherschaue. 


© Susann Krumpen

Freitag, 11. September 2026

Vorsorge oder Abschied?

 Die letzte Zahlung vom Krankenhaustagegeld seiner Versicherung. Es sind weit über tausend Euro. Ich sehe den Betrag und schaue auf meinem Schreibtisch das Herz aus Speckstein an, welches ER letztes Jahr für mich gefertigt hatte. Was habe ich mich gefreut! Endlich, nach Jahren der Geschenke - Enthaltsamkeit war er in der Lage, mir ein kleines herzliches Geschenk zu machen. Fast 22 Jahre ohne nennenswerte Blumen, ausser dem Kennlernstrauß, ohne Pralinen, nicht mal eine Kleinigkeit, die er mir schenken wollte oder mochte, da freut man sich doppelt, wenn ein wundervolles Herz aus Speckstein ganz in rosa den Besitzer wechselt, eines, dass ER mit den eigenen Händen für MICH gefertigt hatte. In der Psychiatrie, so liebevoll. Dann hielt ich mit meinen Gedanken Inne. Rasend fliegen sie mir durch den Kopf. Ist es nicht so, dass Er dieses Jahr in der Psychiatrie getadelt wurde, nicht an den angebotenen Anwendungen teilgenommen zu haben? Man hatte ihn mehrfach dazu aufgefordert, es blieb ohne Erfolg seinerseits. Ich denke weiter. War es nicht so, dass er bei der Neueinstellung des Pflegegrades extra die Stimme verstellt hatte, um höher eingestuft zu werden? Ich hatte ihm im das Telefon an das Bett gereicht und beim Weg gehen den Kopf geschüttelt, weil seine Stimme plötzlich so mikrig klang, fast nicht hörbar, zudem atmete er schwer. Nach dem Auflegen war sein Zustand, seine Stimme wieder normal, das schwere Atmen verschwunden. War es nicht so, dass er im vorigen Jahr die Einweisung in die Psychiatrie in Anspruch genommen hatte, kurz nachdem ich von der OP an meiner Radiusfraktur nach Hause kam und mir eigentlich nicht mal die Unterhose hoch ziehen konnte? Man war ich da sauer, ich fühlte mich massiv im Stich gelassen. Von ihm. Ich überlege, wie viel Geld durch das Krankentagegeld zustande gekommen sein musste, mir stockt der Atem! Es ist nahezu die Summe, die ich für die Beerdigung gebraucht habe. Zumindest den allergrößten Teil davon. Ich sitze eine Weile bewegungslos am Rechner und starre auf meine Tastatur. Die ersten Tränen klatschen auf die Buchstaben der Tastatur, ich schniefe hörbar die Nase hoch und kann keinen klaren Gedanken mehr fassen. Soll das alles ein Zufall sein? Oder war und ist es bis auf das Kleinste bewusst geplant und durchgeführt worden? Die Puzzleteile passen nur zu gut zusammen. Ich weine. Nach einer Weile, nachdem ich mich etwas beruhigt habe, kann ich meine Gedanken weiter auf das Papier bringen. Die Nase schnieft immernoch. Ich fange an, in meinem Kopf zu sortieren. 


© Susann Krumpen

Dienstag, 8. September 2026

Witwenrente - Fluch oder Segen?

Ich reiße den Umschlag auf und entnehme mit zittrigen Händen den Inhalt des Umschlages. Rentenversicherung. Das Anschreiben - keine Zahlen. Erstmal weg damit, ich blättere und blättere und dann das! Ich schaue auf die Zahlen und begreife nicht. Was ist das für eine Summe? Wie kommt das zustande? Ich brauche einen ganzen Moment, um die Buchstaben und Zahlen aneinanderzufügen und um zu begreifen, dass dort viel mehr steht, als ich erwartet hatte! Meine Güte! Ich hatte mit einem kleinen Teil seines geringen Einkommens gerechnet, er bekam nicht einmal die Mindestrente. Jetzt sollte das fast genausoviel ausmachen, wie seine Rente selbst? Es musste ein Rechenfehler vorliegen, mein Kopf hämmerte. Ich konnte gar nicht glauben, dass diese Sechshundert Euro zu mir gehören sollten. Ich stürzte förmlich zu den Kopien der eingereichten Unterlagen, hatte ich  vergessen die Einkommenssteuer anzugeben? Nein, alles eingereicht. Wie sonst hätte der Bescheid endgültig zustande kommen sollen? Ich begriff nicht, was und warum es so viel sein sollte. Ich hatte mit einem Drittel von dem Betrag gerechnet und mit dem hätte ich mich damit ausgesöhnt oder abgefunden. Aber das? Natürlich weiß ich, dass, wenn ich mehr verdienen sollte, die Witwenrente auch gekürzt werden wird. Aber hey, wenn ich in den Ruhestand gehe, so werde ich darauf zählen können, vorausgesetzt ich heirate nicht. Unglaublich! Ich kann es immer noch nicht fassen. Hoffentlich wird diese Nacht nicht wieder so schlaflos, wie die Letzte. 


© Susann Krumpen

Von Sternschnuppen und geheimen Wünschen

 Ich sitze noch bei einem Glas Holunderbeersaft im Liegestuhl und denke über die Begegnung mit meinem Nachbarn nach, der sich Tomaten und eine Paprika von der anderen Nachbarin geholt hat, obwohl er und seine Frau behauptet hatten, dass sie selber genug hätten. Sie gießen dort die Tomaten, während der Abwesenheit. Ich frage mich, ob das Absicht war oder sie die Erlaubnis dazu hatten? Ach, so denke ich, wirf den Gedanken über Bord, was geht es mich an. Ab ist ab. Sollen doch alle denken, was immer sie wollen. Und ich schaue zum Himmel, die ersten Sterne leuchten schon dort. Es ist nach 21 Uhr. Da! Was war das? Eine Sternschnuppe, ein Komet? Ich schaue dem Streifen, der soeben vom Himmel flog hinterher. Langsam kommt ein Lächeln in mein Gesicht. Ja, das Lächeln ist selten. Gerade jetzt. Aber dennoch. Ich vergrabe mich nicht und frage mich, ob das Hinterherwünschen noch gilt. Schnell habe ich einen geheimen Wunsch parat. Den ich leise ausspreche, damit die Engel ihn in den Himmel mitnehmen können. Er soll sich ja auch erfüllen. Hoffentlich haben sie schnelle Flügel! 


© Susann Krumpen

Montag, 7. September 2026

Mein Haus - Dein Haus - Unser Haus

Die Nachbarin kommt mit ihrem dreijährigen Sohn, der offensichtlich ein paar Glaskugeln beim Spielen in meinem Garten mitgenommen hat. Sicher, nicht Absicht. Kinder dürfen verspielt sein, müssen sie sogar. Ich hatte ihnen erlaubt, ein paar blaue Trauben aus meinem Garten zu holen, nachdem sie mich gefragt hatte, ob sie welche haben können. Dieses Jahr hätten sie keine. Ich möchte nicht nachtragend sein, aber vor einem Jahr hat sie Süßkirschen irgendwoher geholt und mir im Vorbeigehen davon erzählt. Dann habe ich bemerkt, dass ich in diesem Jahr wohl keine Süßkirschen haben werde. Sie antwortete ziemlich trocken: "Na dann hast du nächstes Jahr wieder welche" Nicht wegen der paar Kirschen, die ich auch selber irgendwo pflücken könnte. Es zeigt den Charakter eines Menschen, die nur kommen, wenn sie was haben wollen. Und das ist so eine Person. Vielleicht haben sie nicht genug Schicksal erlebt. Und als sie so ungefragt auf meiner Wiese saß, während der dreijährige Sohn suchen sollte, fragte sie doch, was ich mit meinem Haus machen wolle, ob ich hier bleiben wolle. An meiner Nicht - Reaktion merkte sie doch recht schnell, dass ihre Frage nicht angebracht gewesen war. Sie entschuldigte sich mit den Worten " Ach ist mir nur so rausgerutscht" Ja von wegen! Fast jeder im Ort hat mich auch schon gefragt, ob ich hier bleibe, einige fragten sogar, ob ich mein Haus schon verkauft hätte. Ich sage es mal so, es scheint ja ein sehr begehrtes Objekt zu sein. Ein kleines Haus, ein ebenso schöner Garten mit mehreren Sitzecken, einer Terasse, die mein Mann noch selbst erbaut hat. Ich denke im Moment, wo soll ich mir mein Zelt aufschlagen, damit ihr zufriedene Antworten bekommt? Oh es steckt so viel Tiefgründigkeit in dieser Frage, die mich doch zum Lächeln bringt. Bloß kein falsches Mitleid, die Erben warten schon, denn das Testament ist noch nicht eröffnet. 


© Susann Krumpen


 

Samstag, 5. September 2026

Kostenfallen - wird es eng?

Immer wieder schaue ich nach. Online in meinem Shop, ob jemand etwas gekauft hat. Ich schaue früh nach dem Aufstehen, zwischendurch und Abends, wenn ich in das Bett gehen möchte. Mehr und mehr greift ein unsagbares Unbehagen nach meiner Seele, um mich am Ende ganz zu vereinnahmen. Ich rechne nach, stelle einige Artikel um, ändere Überschriften und versuche die ersten Schritte auf social Media. Ich werde das Gefühl nicht los, dass es doch nicht zu schaffen sei, der Monatsabschluss liegt unbearbeitet vor mir. Ich habe schlichtweg Angst. Angst vor der Zukunft im finanziellen Sinne. Die "Was ist wenn" Frage frisst mich auf. Ich nehme ein Blatt, rechne Ausgaben und Einnahmen zusammen und stelle fest, dass die Ausgaben den größeren Part ausmachen. Nicht viel, aber immerhin soviel um nach und nach in den Bankrott zu gehen. 180 Euro Differenz zu meinem Ungunsten. Ich schaue auf meine Ausgaben und überlege, ob da was zu drehen ist. Und ich stelle fest, dass die Ausgaben kaum etwas zum Leben für den täglichen Bedarf übrig lassen. Zumindest ist das Wichtigste, wie Strom und sämtliche Versicherungen bezahlt. Aber Geld, um Einkaufen zu fahren fehlt. Kunden, die bei mir eingekauft haben sind im Verzug, seit vier Wochen schon, ich mahne an. Jeder noch so kleine Betrag wird helfen, den Kopf über Wasser zu halten. Zumindest im Moment. In meinem Shop laufen die Mühlen langsam. Bei jedem Verkauf versuche ich durchzuatmen, es will mir nicht so recht gelingen. Draußen ist endloser Sturm, abwechselnd Regen, nur manchmal scheint die Sonne. In meinem Kopf hämmert es. Was soll ich tun, wenn all das Geld verbraucht ist und ich fest gefahren bin? Soweit möchte ich es erst gar nicht kommen lassen. Ich stelle alltägliche Dinge, die ich nicht mehr brauche zum privaten Verkauf ein. Ahne aber, dass es nicht viel bringen wird. Heute war mir eine Rechnung von der Kirchengemeinde in das Haus geflattert, 85 Euro für die Nutzung der Kapelle anlässlich der Trauerfeier. Die Last wiegt schwer. Ich weiß bald nicht mehr weiter. Und obwohl der Kühlschrank durch das foodcharing gut gefüllt ist, so habe ich nur einen kleinen Teil davon selbst gekauft. Ich versuche mich zu beruhigen und mache meinen Monatsabschluss zum Versand an das Steuerbüro fertig. Die neue Tapete und meine Träume scheinen zu zerplatzen, wie Seifenblasen...


© Susann Krumpen



Mittwoch, 2. September 2026

Rechnungen und neue Tapete

Das Gespräch mit meiner Tochter vor ein paar Tagen ergab, dass sie mir riet, die ausstehenden Bestattungskosten in Raten zu bezahlen. Seit dieser Zeit lässt der Gedanke mich nicht mehr los, dass es besser wäre, die Summe, wenn sie nicht zu hoch ist, auf einmal auszugleichen. Mittwoch. Heute komme ich nach Hause und jede Menge Post. Auch ein etwas geknickter Umschlag von dem Bestattungshaus. Schnörkellos, in der Mitte etwas eingeknickt. Ich mache ihn auf und gehe die Lieste von Leistungen durch, die sie erbracht haben. Die Endsumme keine Viertausend Euro. Mir fällt ein Stein vom Herzen! Immerhin. Und ich zögere nicht, das Online Banking aufzumachen und die geforderte Summe im Ganzen und Sofort zu überweisen. Denn heute früh hatte ich fest gestellt, dass meine Beine mich manchmal etwas im Stich lassen. ich habe nie Probleme mitt meinen Beinen gehabt, doch jetzt sind sie zeitweise wie Gummi, das macht mir Angst. Mein Schwager hatte mir in unserem gemeinsamen Urlaub berichtet, dass er, nachdem sein Sohn gestorben war und er alle Formalitäten beglichen hatte, plötzlich nicht mehr richtig laufen konnte. Kein Arzt hatte eine Ursache finden können, das machte mir Angst. Ich wollte nicht so enden wie er. Immerhin hatte sich das für ihn nach unzähligen Arztbesuchen und einigen Krankenhausaufenthalten gelegt. Die Symptome waren verschwunden, so plötzlich, wie sie gekommen waren. Dabei sah er sich fast schon auf dem OP Tisch. Heute ist er froh, dass alles überstanden zu haben, operiert worden ist er nicht. Die Worte klingen in mir nach und immer und immer wieder denke ich an das von ihm Gesagte. Ich möchte auf keinen Fall, das es mir genauso geht. Deshalb habe ich die Rechnung sofort bezahlt. Eine kleine Summe habe ich sogar übrig, sodass ich mir dieses Jahr auch Öl für die Heizung kaufen kann. Der Tag und meine Laune ist gerettet. Ich überlege, für etwa Tausend Euro Öl zu kaufen, damit noch etwas für einen kleinen urlaub im nächsten Jahr übrigbleiben kann. Ware zum Verkauf habe ich auch soeben bestellt. Ich werde es einfach schaffen. Zumindest bin ich über das foodcharing abgedeckt, zu Essen gibt es eigentlich genug. Auch wenn die Waren am Ablaufen sind, so habe ich in der Vergangenheit schon manches leckere Gericht davon gekocht. Das macht mir schon mal jede Menge Mut. ich hoffe, dass nun alle Rechnungen bezahlt sind, kann nur abwarten, ob oder was da noch auf mich zukommt und spiele mit dem Gedanken, das Bad renovieren zu lassen. Ich will mir schon mal eine hübsche neue Tapete für das Bad aussuchen. 


© Susann Krumpen

Dienstag, 1. September 2026

Testament und Nachlasspflege

Immer wieder versuche ich das zuständige Gericht zu erreichen. Nachlasspflege, wie man es nennt. Vergebens. Auch mit der beglaubigten Kopie vom Testament bekomme ich hier nicht, was ich brauche. Die ewige telefonische Bandansage Warteschleife, ich höre was von Urlaubszeit, Umstellung auf elektronischem Wege, was imer das heißen mag und Verständnis haben. Mein Verständnis ist restlos erschöpft. Für mich alles Ausreden. Es bewegt sich nichts. Gar nichts. Einerseits ja gut, andererseits schlecht, da der Verbleib einiger Gelder eben nicht geklärt werden kann. Ärgerlich das Ganze. Ich versuche es erneut, keine Chance, nicht die Minimalste. Also versuche ich den umgekehrten Weg, rufe die Bank an und spreche dort, ob die Kopie von dem Testament ausreichen würde. Dort schildere ich den Fall und man sagt mir, dass eine Kopie des notariell beglaubigten Testaments völlig ausreichen wird. Nun, während ich alles kopiere, gehen mir verschiedene Gedanken und Szenarien durch den Kopf. Was macht eigentlich eine Witwe, oder ein Witwer, der diese Möglichkeit nicht hat, warten muss, bis ihm oder ihr jemand hilft und hin nehmen muss, dass es entweder lange dauert, oder womöglich gar nicht klappt? Ich finde es unverantwortlich, dass, wie in meinem Fall, die Fürsorge um das weitere Geschehen mit der Rechnung vom Bestattungsinstitut endet. Selbst der Versichenälteste bringt zwar den Antrag auf den Weg, aber woher weiß man eigentlich, ob da nochwas fehlt oder wie lange es dauert? Fragen über Fragen...


© Susann Krumpen