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Freitag, 11. September 2026

Krankenhaustagegeld - der Bonus für die Bestattung?

 Die letzte Zahlung vom Krankenhaustagegeld seiner Versicherung. Es sind weit über tausend Euro. Ich sehe den Betrag und schaue auf meinem Schreibtisch das Herz aus Speckstein an, welches ER letztes Jahr für mich gefertigt hatte. Was habe ich mich gefreut! Endlich, nach Jahren der Geschenke - Enthaltsamkeit war er in der Lage, mir ein kleines herzliches Geschenk zu machen. Fast 22 Jahre ohne nennenswerte Blumen, ausser dem Kennlernstrauß, ohne Pralinen, nicht mal eine Kleinigkeit, die er mir schenken wollte oder mochte, da freut man sich doppelt, wenn ein wundervolles Herz aus Speckstein ganz in rosa den Besitzer wechselt, eines, dass ER mit den eigenen Händen für MICH gefertigt hatte. In der Psychiatrie, so liebevoll. Dann hielt ich mit meinen Gedanken Inne. Rasend fliegen sie mir durch den Kopf. Ist es nicht so, dass Er dieses Jahr in der Psychiatrie getadelt wurde, nicht an den angebotenen Anwendungen teilgenommen zu haben? Man hatte ihn mehrfach dazu aufgefordert, es blieb ohne Erfolg seinerseits. Ich denke weiter. War es nicht so, dass er bei der Neueinstellung des Pflegegrades extra die Stimme verstellt hatte, um höher eingestuft zu werden? Ich hatte ihm im das Telefon an das Bett gereicht und beim Weg gehen den Kopf geschüttelt, weil seine Stimme plötzlich so mikrig klang, fast nicht hörbar, zudem atmete er schwer. Nach dem Auflegen war sein Zustand, seine Stimme wieder normal, das schwere Atmen verschwunden. War es nicht so, dass er im vorigen Jahr die Einweisung in die Psychiatrie in Anspruch genommen hatte, kurz nachdem ich von der OP an meiner Radiusfraktur nach Hause kam und mir eigentlich nicht mal die Unterhose hoch ziehen konnte? Man war ich da sauer, ich fühlte mich massiv im Stich gelassen. Von ihm. Ich überlege, wie viel Geld durch das Krankentagegeld zustande gekommen sein musste, mir stockt der Atem! Es ist nahezu die Summe, die ich für die Beerdigung gebraucht habe. Zumindest den allergrößten Teil davon. Ich sitze eine Weile bewegungslos am Rechner und starre auf meine Tastatur. Die ersten Tränen klatschen auf die Buchstaben der Tastatur, ich schniefe hörbar die Nase hoch und kann keinen klaren Gedanken mehr fassen. Soll das alles ein Zufall sein? Oder war und ist es bis auf das Kleinste bewusst geplant und durchgeführt worden? Die Puzzleteile passen nur zu gut zusammen. Ich weine. Nach einer Weile, nachdem ich mich etwas beruhigt habe, kann ich meine Gedanken weiter auf das Papier bringen. Die Nase schnieft immernoch. Ich fange an, in meinem Kopf zu sortieren. 


© Susann Krumpen

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