Die Nachbarin kommt mit ihrem Sohn, der offensichtlich ein paar Glaskugeln beim Spielen in meinem Garten mitgenommen hat. Sicher, nicht Absicht. Kinder dürfen verspielt sein, müssen sie sogar. Ich hatte ihnen erlaubt, ein paar blaue Trauben aus meinem Garten zu holen, nachdem sie mich gefragt hatte, ob sie welche haben können. Dieses Jahr hätten sie keine. Ich möchte nicht nachtragend sein, aber vor einem Jahr hat sie Süßkirschen irgendwoher geholt und mir im Vorbeigehen davon erzählt. Dann habe ich bemerkt, dass ich in diesem Jahr wohl keine Süßkirschen haben werde. Sie antwortete ziemlich trocken: "Na dann hast du nächstes Jahr wieder welche" Nicht wegen der paar Kirschen, die ich auch selber irgendwo pflücken könnte. Es zeigt den Charakter eines Menschen, die nur kommen, wenn sie was haben wollen. Und das ist so eine Person. Vielleicht haben sie nicht genug Schicksal erlebt. Und als sie so ungefragt auf meiner Wiese saß, während der dreijährige Sohn suchen sollte, fragte sie doch, was ich mit meinem Haus machen wolle, ob ich hier bleiben wolle. An meiner Nicht - Reaktion merkte sie doch recht schnell, dass ihre Frage nicht angebracht gewesen war. Sie entschuldigte sich mit den Worten " Ach ist mir nur so rausgerutscht" Ja von wegen! Fast jeder im Ort hat mich auch schon gefragt, ob ich hier bleibe, einige fragten sogar, ob ich mein Haus schon verkauft hätte. Ich sage es mal so, es scheint ja ein sehr begehrtes Objekt zu sein. Ein kleines Haus, ein ebenso schöner Garten mit mehreren Sitzecken, einer Terasse, die mein Mann noch selbst erbaut hat. Ich denke im Moment, wo soll ich mir mein Zelt aufschlagen, damit ihr zufriedene Antworten bekommt? Oh es steckt so viel Tiefgründigkeit in dieser Frage, die mich doch zum Lächeln bringt. Bloß kein falsches Mitleid, die Erben warten schon, denn das Testament ist noch nicht eröffnet.
© Susann Krumpen
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