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Mittwoch, 16. September 2026

Spurensuche im Nebel

 Die Tage werden länger, niemand mit dem ich mich austauschen und reden könnte. Heute überrollt mich das Gefühl, welches man wohl Einsamkeit nennt. Ich kannte es vorher nicht und es treibt mir die Tränen in meine Augen. Und ich frage mich, wie lange hatte Er es geplant? Ich suche nach Anhaltspunkten, Gesten, Puzzleteilen. Mal glaube ich auch etwas gefunden zu haben. ER hatte mir eines Tages "Lebe dein Leben" in mein Ohr geflüstert, fast nebenbei, als ich ihn aus der Klinik abholen wollte, mich zu ihm beugte um seine Tasche aufzunehmen, da passierte es. Und ich weiß noch, wie ich mich über diesen einen Satz gewundert und zeitgleich auch geärgert habe. Heute, wo ich hier sitze um das aufzuschreiben, was wir erlebt, gefühlt und getan haben, glaube ich, Puzzleteilchen zu finden, die in das "System" rein passen. Aber die Warheit ist, es ist nur meine Vorstellung davon, wie es gewesen sein könnte. Letztendlich wird man wohl nie erfahren, wie lange sein Suizid vorher geplant gewesen war. Wie lange er mit dem Gedanken gespielt und wann immer er sein Verschwinden vorbereitet hat. Ich frage mich natürlich immer wieder und wieder. Gehe Szenen durch, von denen ich glaube, das sie mir etwas wichtiges sagen wollen. Verwerfe die Gedanken und komme nochmal zu ihnen zurück. Immer wieder und wieder. Ich werde es nicht erfahren können. ER hat MF - für immer, die Tür ist geschlossen. Auch wenn ich seine Seele spüre, glaube sein Lächeln zu sehen, den Sternschnuppen folge und den Wolken hinterherschaue. 


© Susann Krumpen

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