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Donnerstag, 17. September 2026

Vom System verschlungen - Beitragswahnsinn

 Ich öffne den Brief und bin einen Moment ziemlich sprachlos. Warum? Denke ich. Der Beitragssatz der Krankenkasse ist neu fest gelegt. Fast 500 Euro. Mir stockt der Atem und ich fühle, wieTränen in mir aufsteigen! Gerade gestern hatte ich mich beruhigt und geglaubt, dass ich von der Witwenrente einigermaßen leben könnte. Zwar sind es keine Siebenhundert Euro, aber immerhin ein monatliches kleines Polster, so dass ich in Ruhe in den Schlaf kommen kann. Heute trifft mich der Schlag, Tränen rinnen mir über das Gesicht. Ich lese und stiere auf das Blatt. Verstehe erst mal gar nichts. Was haben die sich gedacht, wovon ich leben soll?  Die Zahlen verschwimmen vor meinen Augen. Es ändert nichts, der Betrag ist angehoben und frisst fast meine gesamte Witwenrente auf. Gerade mal Einhundertzwanzig Euro bleiben mir davon übrig. Wie soll ich das verstehen? Wie soll ich da weiterkommen? Warum fühlt sich das so ungerecht an? Fragen über Fragen. Ich bin erschöpft und muss mich hin legen. Es ist ohnehin Mittag. Aber mein Kopf will und will nicht zur Ruhe kommen, die Tränen schaffen es auf das Kopfkissen, es hat feuchte Flecken und fühlt sich unangenehm an. Ich schließe die Augen, sie schmerzen vom vielen Weinen. Die Welt fühlt sich Scheiße an, meine Nase schnieft, ich bekomme kaum Luft. Versuche mich zu beruhigen. Niemand mit dem ich darüber reden könnte. Keine Nachbarin, keine Bekannte oder Freundin. Sie würden nur hinter meinem Rücken tratschen, es gäbe jede Menge Gesprächsstoff im Dorf und lässt Raum für Spekulationen, das möchte ich mir ersparen. Auch meine Tochter nicht. Bei ihr würden die Alarmglocken klingeln und sie würde mir zum wiederholten Male anbieten, mich monatlich zu unterstützen. Genau das möchte ich nicht. Ich stand immer auf eigenen Füßen und jetzt das? Ich fange an zu sortieren und beschließe nach langem hin und Her, die letzten Monatsabschlüsse und die BWA zur Krankenkasse zu schicken, um meine Situation zu erklären. Ich weiß zumindest, dass sie antworten müssen. Ich stehe auf, weil mein Kopf mich nicht zur Ruhe kommen lässt und spüre, dass mein Körper eigentlich Ruhe nötig gehabt hätte. Ich frage mich, wie lange ich das noch durchstehen kann. 


© Susann Krumpen

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