In solchen Momenten zeigt sich, wer mitzieht und wer nur darüber redet, mitziehen zu wollen. Gerangel in der WhattsApp Gruppe von jupp seiner Familie. Es kommen jetzt auch die Schwiegersöhne in spe, wie man so sagt mit zur Trauerfeier. ich bekomme das einfach so übergestülpt. Ohne zu fragen, ob mir das eigentlich passt oder nicht. Ich reagiere (das ist eigentlich die schlechteste Option) mit unverständnis, versuche eine möglichst gangbare Sprachnachricht zu sprechen und fange gefühlt 12 Mal an zu sprechen, ohne den Finger vom Display zu nehmen. Der virtuelle Papierkorb füllt sich. Erstmal Luft holen! Ich kenne die Männer nicht, auch wenn sie schon lange zur Familie gehören. Es ist meine Trauerfeier und kein Geburtstag. Soviel steht schon mal fest. Ich habe Wut und spreche die Nachricht, die ich mir im Kopf zurechtgelegt habe drauf, bemüht ruhig und besonnen zu klingen. Es gelingt mir nicht. Erwähne, dass mir die Leute kein einziges Mal begegnet sind und trotsdem versuche ich Verständnis aufzubringen. Ich merke, dass, von dem was ich zu verteilen habe immer mehr verschwindet, mehr Kraft, mehr Nerven, mehr alles. Ausgenutzt, ausgebrannt. Ich komme mir vor, wie die Witwe, die die Füsse still halten muss, um bloß Niemanden auf die Füsse zu treten, ein indirektes Betteln um die Gunst, um den finanziellen Zuschuss, den sie mir mündlich zugesagt hatten, ich fühle mich erniedrigt und bloß gestellt. Gerade jetzt. Wenn der Leser sich fragt, warum das Ganze, ich schreibe es warheitsgetreu, ohne Schnörkel und ungeschönt, damit Menschen, die sich in einer ähnlichen Lage befinden, lesen können, wie die Welt wirklich zusammengesetzt ist und wie Familien ticken können. Ich möchte trotsdem betonen, dass nicht alle Menschen gleich sind. Es geht bestimmt auch schlimmer. Seine Tochter hat nun endlich die Getränke und das Toilettenpapier gekauft, um was ich sie gebeten hatte. Es gab im Vorfeld einige virtuelle Diskussionen darüber, wer wann einkaufen fährt, dass sie nochmal extra los müssen und dass das Toilettenpapier für eine ganze Kompanie reichen würde. Ich muss gestehen, hatte einfach keine Lust mehr, noch irgendwohin zu fahren, um solche Banalitäten zu besorgen. Alle haben ein Auto und fahren ja nicht durch den Wald. Nach einem längernen Gespräch mit der anderen Seite seiner Familie, war das Mitbringen der Schwiegersöhne auch ausgeräumt. Ich denke, es hat unnötigerweise Nerven und Kraft gekostet. Ich bin gespannt, wie sich die Trauerfeier in 2 Tagen entwickelt.
© Susann Krumpen
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