Momente des Glücks. Auch wenn sie selten sind. Immer wieder erlebe ich, dass es winzige Momente gibt, in denen ich glücklich bin. Und dann aber, wieder tiefe Traurigkeit. Ein Wechselbad der Gefühle. Und ich erlebe, je klarer ich sehe, was passiert ist, destso besser kann ich damit umgehen und fühlen, wie es gerade ist. Die Menschen im Ort begegnen mir vorsichtig, wissen Eingangs nicht so recht, was sie sagen, oder wie sie sich bewegen sollen. Im weiteren Gesprächsverlauf wird es oft entspannter, oder auch traurig, je nach Gefühl. und ausnahmslos jeder meint, ich würde das so klar für mich sehen. Ja. Das tue ich, sachlich und klar, so wie er mir entgegen getreten war, auf den Weg, den wir gemeinsam gegangen sind. Ich wähle diese Form als Schutz, für ihn und für mich. Niemand soll sagen, dass er zu feige und ich zu schwach bin. Selbst jetzt noch spüre ich unsere ganze Stärke, auch wenn er nicht sichtbar im Raum oder bei mir sein kann. Er hat noch keine Flügel, die bekommt er erst nach der Urnenbeisetzung. Also schwebt er im Raum, breitet seine Arme aus, um mich zu umarmen, so, wie er es früher immer getan hat. Also raucht er eine, obwohl ich im Garten sitze und ihn nicht sehen kann. Aber ich kann ihn fühlen, nah und immer hinter mir stehend, als wollte er sagen: "Du schaffst das , bleib dran" Manchmal aber, wenn so ein laues Sommerlüftchen weht und die Grashalme sich biegen, da überkommt mich so eine tiefe Traurigkeit, so eine tiefe Demut. Und ich schaue in den Garten und spüre den unschuldigen Windhauch auf meinen Armen, als wollten sie sagen, bitte beeil dich, er ist noch am Leben! Lauf! Und ich eile an den Ort, wo seine Seele in den Himmel stieg, die Hülle liegt nicht mehr dort. Mir hat es nie etwas ausgemacht, wie faltig und unrasiert er gewesen ist, die Seele sprach aus seinen glänzenden, wachen Augen zu mir. Sie haben sein Haus, in dem er wohnte mitgenommen und Dünger daraus gemacht, damit das Leben wieder neu beginnen kann, damit der Kreislauf sich schließt. Die Seele ist unversehrt geblieben. Tränen rinnen über mein Gesicht...
© Susann Krumpen
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