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Montag, 10. August 2026

Witwenrente oder doch nicht?

Den Termin beim Versichertenältesten darf ich nicht verpassen. Schon hunderte Male bin ich in der Stadt gewesen und doch muss ich schauen, wo ich heute hin muss. 13 Uhr ausgerechnet. Mir geht durch den Kopf, wie das wohl ablaufen würde. Ich stellte mir vor, ein älterer Mann oder Herr, der mich empfängt und mir einen Platz anbietet. Es kommt anders. Zunächst suche ich in der Nähe des Büros einen Parkplatz und quetsche mich mit meinem Auto auf den Parkplatz genau gegenüber von einem Fleischer. Schön, denke ich, dann kannst du nachher ja einen Mittagstisch für dich mitnehmen und ich studiere, so im Vorbeilaufen die Gerichte und die Preise. Frikassee mit Reis, Linsensuppe. Ich habe Hunger. und mir fällt ein, dass ich nun schon lange kein vernünftiges Mittagessen mehr gehabt hatte. Angekommen, genau 14 Minuten zu früh. Na besser, als zu spät. Gehe rein, und stehe in so einer Art Büro, Verdi. Plakate mit Bildern beklebt, darauf zu sehen sind Menschen auf Demos, Fahnenträger, Solidarität. Jemand kommt von irgendwo aud dem hinteren Teil des Gebäudes und meint, ich wäre viel zu früh. Nehmen Sie doch Platz. Ich finde einen Tisch und Stühle. Es riecht etwas muffig. Nach dem Ablauf der Zeit kommt der gleiche Mann, mitteljüngeren Alters und begleitet mich in den hinteren Raum. Hier ist die Stimmung dunkler, muffiger Geruch. Warscheinlich durch die alten Möbel. Ich schaue ihn an und denke, keine grauen Haare, keine alte Schule. Der ist doch so alt wie ich, oder sogar jünger. Seine Stimme angenehm und doch hat der Tonfall etwas Überhebliches. Na ja, denke ich, wer weiß, wie viele Witwen ihm schon weinend gegenüber saßen. Ich weine nicht. Die ganze Zeit. ich versuche sachlich und distanziert zu bleiben. Er blättert sich durch die von mir mitgebrachten Unterlagen  und Ordner, füllt online die Fragebogen aus. Eine Stunde später ist es geschafft! Endlich raus. Es hatte geregnet. Eigentlich fand ich ihn ganz nett. Sein Händedruck ist auffallend warm und angenehm. Ich gehe fast beschwingt die Straße lang, erinnere mich, mir etwas zum Mittag mitnehmen zu wollen. Fehlanzeige. Ab 14 Uhr geschlossen. Schade, ich hatte mich so gefreut, dann eben nicht. In meinem Kopf Gedankenfetzen, ob er eine Frau hat? Ach Susann, was denkst du dir nur und ich schäme mich fast bei dem Gedanken.  Witwenrente oder nichts? Ich warte es ab. Irgendwas wird ja auf mich zukommen. 


© Susann Krumpen

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