Gemeinsam zum Friedhof, alles scheint um einen herum still zu stehen. Die Sonne brennt, es sind bestimmt gefühlte 36 Grad. Besser, wie Regen, tröste ich mich in meinen Gedanken. Vor der Kapelle steht die Kondolenzliste, in die sich jeder eintragen kann. Drin sitzen in den hinternen Reihen schon Leute aus der Dorfgemeinschaft. Ich sehe einige Gesichter, kann aber nicht so genau erkennen, wer da gekommen ist. Vielmehr verwende ich meine Aufmerksamkeit dem geschmückten Vorraum, dem Platz, wo der Pfarrer dann die Rede halten wird. Erstaunlicherweise bin ich super zufrieden mit dem, was sie hingestellt haben. Holzklötze, Gräser, die Stiefel, der Cowboyhut und die Urne, die unter dem Halstuch kaum sichtbar gewesen ist. Kerzen in Cremfarben, runde und lange. Eigentlich wunderschön! Ich habe hier im Dorf schon einige Trauerfeiern miterlebt, die Meisten haben Rosen oder Lilien und der Vorraum, schien immer dunkel und dazu leuchteten 2 Große Kerzen. hier war das anders. Mindestans 10 Kerzen in stimmigen Formen und derselben Farbe waren angezündet. Gräser dazwischen gestellt und ein großes Herz aus Sonnenblumen und blauen Blüten, auch der Urnenschmuck. Leise Musik aus einem Westernfilm erklingt. Ja ungewöhnlich, aber wunderschön. Der Pfarrer kommt, begrüßt die Trauergäste. und weil kurz vorher die Sirene der Feuerwehr los gegangen war, nimmt er auch erstmal Stellung dazu. Damit hatte ja keiner gerechnet, dass genau zum Beginn der Trauerfeier die Sirenen angehen. Am Ende stellte sich heraus, dass die vermisste Person gefunden worden war. Die Rede - eher ungewöhnlich. Er sprach darüber, dass Jupp selbst aus dem Leben geschieden war und der Weg für alle nicht leicht sein wird. Er sprach über MF (Mundfaulheit) über den beruflichen Werdegang mit insgesamt 67 Arbeitsjahre, Reitverein und unserer Hochzeitsreise zum Lieferanten unserer Artikel. Ja er sprach auch über das Kennenlernen, bei der ersten Begegnung war der von ihm mitgebrachte Blumenstrauß größer, wie ER selber und die Blumen waren blau gefärbt, man war das hässlich! Ich habe es mit einem Schmunzeln hin genommen. Er sprach auch darüber, dass meine Kinder mir zugeraten haben, ich "solle DEN nehmen" Das tat ich dann auch. und ehrlich gesagt, ich hatte es nicht bereut. Auch wenn er der ewige Arbeitgeber blieb, so hatte er an Würde und Loyalität nicht verloren. Bis heute nicht.
© Susann Krumpen
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