Neugierig? Na dann mal los!

Freitag, 28. August 2026

ER hat mich im Stich gelassen - oder gibt es noch Wunder Teil 1

 Das zufällige Gespräch heute mit einem Kunden. Er brauchte Einzelteile für eine Lampe und ich bat ihn darum, Bilder per Whattsapp hoch zu laden, was er offensichtlich auch tat. Im Gespräch erwähnte ich, dass ich zum Heraussuchen etwas Zeit brauche, weil ich das Geschäft alleine führe, da mein Mann gestorben sei. Ich erwähnte beiläufig, dass er den Weg selbt gewählt hatte. Warum ich ihm das erzählte, weiß ich heute eigentlich nicht mehr. Die Stimme am anderen Ende wurde einen Augenblich lang still. Dann aber bemerkte der Kunde, der offensichtlich der Stimme nach ein Mann mittleren Alters zu sein schien. "Er hat Sie im Stich gelassen" tönte es duch das Telefon. Ich rang nach Luft. Fand den Gedanken unerhört, wollte etwas erwiedern, tat es aber nicht. Der Kunde wiederholte diesen einen Satz mindestens noch zwei Mal, ich rang nach Luft und antwortete nicht, sondern versuchte das Gespräch auf die Zusammenstellung seiner Lampe zu lenken. Ich konnte an dem gesamten Abend an nichts anderes mehr denken. Hatte mich Jupp wirklich im Stich gelassen ? War es wirklich so, dass er sich eingerollt hat und einfach verschwunden war? Ich spürte Wut. Warum? Schrie es plötzlich in mir! Warum hat er das getan? Es tat sich mir eine völlig neue Perspektive auf. Nicht die, in der ich gerade gestern noch dachte, er wäre aus dem Leben gegangen, um mich zu schonen. Nein, bei Weitem nicht. Es zeigte sich plötzlich die hässliche Fratze von einem Menschen, den ich doch glaubte zu lieben. Die Sanftheit verschwand, ein schwerer Schleier legte sich über mein Gemüt, es schien, als hätte der eine Satz mein Leben vergiftet. An Schlaf war an diesen Abend nicht zu denken. Ich lag im Bett und der Gedanke übernahm völlig die Kontrolle über meine Seele, es kam mir vor, als hätte jemand Farbe in den Fluss gekippt. Plötzlich fühlte ich mich angreifbar. Ich grübelte und grübelte und in meinen Gedanken kamen frühere Situationen zum Vorschein, in denen Jupp sich durch das Leben larviert hatte. Der Satz sollte sich bestätigen, oder doch nicht? Hatte er keine einzige Ecke unseres Hauses finden können, wo er sich verstecken konnte? Hatte er gedacht, ich würde ihn finden und mit Mitgefühl und Trost einwickeln, wie einen kostbaren Diamanten? Ist er deshalb diesen Weg gegangen, damit ich keinen Zugriff mehr zu ihm finden sollte? Es war schwer zu verstehen, was sich für absurde Gedanken in mir abspielten. Ich selbst verstand gar nicht, was dieser eine Satz in mir anrichtete. Und ich fing an zu spüren, dass er drohte, meine Seele zu zerstören. Das Vertrauen war infrage gestellt. Am Morgen wachte ich schweißgebadet auf, ich hatte kaum Kraft aufzustehen, Tränen rannen mir über das Gesicht. ich beschloss erstmal eine kleine Runde raus zu gehen, um frische Luft zu schnappen. Dann geschah das echte Wunder...


© Susann Krumpen

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen