Die Nacht war grauenvoll, ich hatte fast nicht schlafen können und meine Gedanken kreisten nur und immer wieder um den Ablauf der Trauerfeier. Ich stand zeitig auf, an Schlaf so wieso nicht mehr zu denken. Zähneputzen, etwas waschen und direkt zum Kaffeeautomaten. Seit gefühlten 8 Wochen mache ich nichts anderes, wie Kaffee kochen und trinken, Gäste bewirten, Betten beziehen, Essen einkaufen, welches ich im Normalfall nie gebraucht hätte. Meine Schwester, mein Schwager schliefen in meinem Schlafzimmer, dem größten Raum im Haus mit ihrem Hund. Micha schlief in der Stube auf der ausgezogenen Couch und für mich blieb die Besuchermatratze im Büro. Grauenhaft! Der Rücken schmerzte schon früh. Egal, ich musste weiter kommen. Kaffee mit Milch und Zucker war meine Rettung. Frühstück vorbereiten, Brötchen aufbacken, selbst gemachte Marmelade und so weiter. Lust hatte ich nicht. Nach dem gemeinsamen Frühstück warten. Warten auf die Gäste von Jupp seiner Familie, seine Kinder. Nach gefühlten Stunden kamen sie. Sohn und Schwiegertochter, die Enkel, die ich jahrelang nicht mehr gesehen hatte und deren Freunde, die witzigerweise den selben Vornamen trugen. Die Tochter mit Mann aus zweiter Ehe. Kinder gab es da nicht. Insgesamt waren wir dreizehn Leute aus zwei Familien. Man stellte sich vor, umarmte sich. Ich weiß heute nicht mehr, wer mich umarmt, und wen ich eigentlich umarmt hatte. Wir gingen gemeinsam zum Friedhof, zur Trauerkapelle. Die Bestatterin rief an und fragte nach der Musikliste, ich erklärte ihr, dass ich ihr das bereits vor drei Wochen per Mail geschickt hatte. Die Liste selbst hatte ich dem Pfarrer mitgegeben. Das Bild, welches meine Schwester mitgebracht hatte war viel zu klein, Jupp war darauf kaum richtig zu sehen. Na gut, ich muss loslassen, so denke ich. Lass es einfach laufen, ich kann da nichts mehr ändern und es schont auch meine Nerven. Gute Entscheidung.
© Susann Krumpen
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