Ich stand auf, heute Morgen. Meine Gedanken hängen noch an diesem einen Satz, der meine Seele komplett zerstören würde, würde ich nicht irgendwie handeln. Das echte Wunder wartete schon draußen auf mich. Ich nehme, wie gewohnt, ein paar Nüsse für die Krähen mit. Sie sollen auch an diesem Morgen nicht leer ausgehen. Der Himmel ist grau, die Wolken brechen auf, so dass die Sonne heute ein Kleid von flauschiger Watte trägt, ihre Strahlen erstreckten sich hier und da, als würden sie mich und die ganze Welt umarmen. Ich scheine davon zunächst nichts mitzubekommen. Ich laufe und laufe, spüre kaum meine Füsse. Lasse die Nüsse aus meiner Hosentasche am Straßenrand fallen und beobachte, wie die Krähen danach kommen, um sie aufzunehmen, beim Umdrehen sehe ich, dass sie verschwunden sind. Manche Tage fliegen sie so nah und tief um mein Gesicht und um mich herum, dass ich meine, sie wären kurzsichtig und können nicht richtig sehen. Dabei sehen sie sogar sehr gut, ich spüre den Luftzug von ihren Flügelschlägen. Auch wenn sie sich hinter mir von den Bäumen herablassen, um das Futter aufzunehmen spüre ich ein Surren, sehe je nach Sonnenstand auch ihre Schatten. Es erfüllt mich mit Freude und innerer Zufriedenheit. Es ist pures Glück. Heute früh aber war ich mit meinen Gedanken bei diesem einen Satz und viele Fragen, die sich in meinem Kopf versuchen fest zu setzen. Ich bekomme kaum noch Luft, fühle mich regelrecht erdrückt, von diesem Gedanken, dass ER mich im Stich gelassen haben soll. Ich hebe meinen Kopf und will gerade ansetzen, Luft zu holen, bleibe wie gebannt stehen. Ein Heißluftballon am Himmel, weit entfernt und doch ziemlich deutlich sichtbar. Der Ballon blaugrau, fast wie die Wolken, die am Himmel zu sehen sind. Ich stehe am Straßenrand und hole tief Luft. Erst jetzt verstehe ich. ER ist an mir vorbeigefahren, ja er ist es! Ich winke wie verrückt, in der Hoffnung, dass er mich sieht. Der Balon fährt weiter und weiter, bis er nur noch einen Punkt am Himmel ausmacht. Ich höre gar nicht auf zu Winken. Endlose Tränen rinnen über mein Gesicht. Oh Jupp, du hast nach mir geschaut, du wolltest mir sagen, dass du mich liebst und ich nicht alleine bin. Was für ein Wunder, was für ein Glück! Den heutigen Morgen werde ich nie vergessen. Der Gedanke, dass du mich im Stich gelassen haben könntest, war restlos aus meinem Kopf verschwunden, meine Seele kann wieder Atmen. Ich fühle mich schlagartig besser. Sämtliche Zweifel sind ausgeräumt. Zuhause mache ich mir einen Milchkaffee mit viel Zucker, sitze draussen im Garten, während ich meinen Kaffee trinke und hänge diesem Gedanken nach. Ein Lächeln huscht über mein Gesicht.
© Susann Krumpen
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