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Montag, 31. August 2026

Arztbesuch - 6 Wochen später

 Wie soll ich anfangen. Seitdem mein Mann sich das Leben genommen hat, versuche ich einen Termin bei meinem Hausarzt zu bekommen, alles scheint vergebens. Keine Termine, Urlaubszeit und dann fehlendes Personal. Im Notfall soll man die 112 wählen, laut Bandansage. Dann doch endlich! Ich bekomme einen Termin, das heißt eigentlich nicht direkt. Am Telefon schildere ich den Fall noch einmal eindeutig und weise darauf hin, dass mein Mann sich das Leben genommen hat. Die Angestellte am Telefon entschuldigt sich, meinte, dass sie das schon aus den vorherigen Telefonaten mit mir wisse und sie auch nicht weiß, was sie dazu sagen soll. Sie bietet mir immerhin an, in die Notfallsprechstunde zu kommen, was ich dankbar annehme. Angekommen, stehen und sitzen Menschen schon draußen vor der Tür im Freien, das Wartezimmer rappelvoll und das eine Stunde vor Schließung der Sprechstunde. Als ehemalige Arzthelferin, wie man das früher nannte, hatte ich nur ein inneres Kopfschütteln für diese bizarre Situation übrig. Heute ist Montag. Ich finde einen Platz, weil gerade jemand aufgerufen wird. Leute sitzen, schauen auf ihre Handys, das Fenster ist angekippt. Ich grüße und setze mich dazu. Die Resonanz vernichtend. Mich stört es heute nicht, ich bin froh, mich einreihen zu können. und ich frage mich, wie der Vormittag für die Angestellten wohl laufen mag, ob sie auch noch eine Mittagspause bekommen. Nach fast einer Stunde werde ich aufgerufen, der Arzt sitzt schon im Zimmer und begrüßt mich. Ich grüße zurück und er bietet mir einen Platz an. Sehr nett, denke ich. Er schaut nicht auf, die Erschöpfung ist ihm anzumerken, er ist um Freundlichkeit bemüht. Ich berichte, dass mein Mann sich das Leben genommen hat. Jetzt erst realisiert er, dass ich offensichtlich Hilfe benötige. Er fragt nach dem Sterbedatum. Ich antworte, dass es vor ungefähr 6 Wochen passiert sei. Darauf die Frage, warum ich nicht eher in die Sprechstunde gekommen bin, ich antworte, dass es keinen Termin gab. Sein Blick ist nun ein völlig anderer, ich spüre eine Wendung des Gespräches. Sein Blick öffnet sich. Wir reden über Verschiedenes, ich werde abgefragt, wie mein Schlaf ist und der Appetit. Abgenommen habe ich nicht, so denke ich noch. Der Süßkram die letzten Tage...Das Gespräch lief für beide Seiten freundlich und ich gehe zufrieden aus der Sprechstunde mit einer Überweisung zum Psychologen, einen Krankenschein, einem Termin zum Blutabnehmen, um überprüfen zu können, ob mein Vitamin B12 Spiegel in den Keller gerutscht ist und einem weiteren Termin zur Beantragung einer Reha Kur im nächsten Jahr. Faszit: Man braucht eine Menge Energie, wenn der Akku leer und die Nerven dünn sind.


© Susann Krumpen

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