Neugierig? Na dann mal los!

Samstag, 31. Juli 2021

Housesitting - Hilfe meine Mutter kommt! Teil 2 Ende

 Sie sind schon gespannt, wie das hier abgelaufen sein mag? Ja zu Recht! Ich sage mal, ich habe mich selber über meine Toleranz gewundert. Aber was solls. Schließlich war ich in dem guten Glauben, dass es für beide Seiten eine Win-Win-Situation gewesen wäre. Weit gefehlt! Wir waren also unterwegs in unseren Urlaub, meine Mutter war unterwegs zu meinem zuhause. Den Schlüssel vom Nachbarn abzuholen, war noch eine der leichtesten Übungen, das hatte schon mal gut funktioniert. Na zunächst der positive Teil: die Betten waren herrlich und sie schliefen schon einmal gut. aufatmen meinerseits. Das ist schon mal die halbe Miete, wie man so zu sagen pflegt. Alles Andere gestaltete sich wohl etwas schwierig, wie ich im Nachhinein zu erfahren bekam. Ich hatte meiner Mutter für den Zeitvertreib ein paar schöne Zeitschriften zum Lesen und blättern beigelegt, diese hatte sich sich nicht getraut zu nehmen. Schade. Der Kühlschrank war übervoll mit Sachen, von denen ich glaubte, dass sie das gerne mag und Getränke standen aufgestapelt im Flur, damit sie sich das für sie lästige Treppensteigen ersparen sollte. Der Grill stand gereinigt und Einsatzbereit im Garten vor der Terrasse, sämtliches Zubehör hatten wir ihnen auf die Terrasse gestellt. Holzkohle, Anzünder und was eben sonst noch so dazu gehört. Sie haben auch Gebrauch davon gemacht. Mich hat das im Nachhinein schon ziemlich gefreut. Die Tage haben sie verbracht, Gaststätten zu suchen ( man erinnert sich, dass Zettel mit Telefonnummern , Kilometerangaben und Namen der Gaststätten auf einen Zettel zu finden waren) Ich habe ihr aus dem Urlaub heraus Links mit Gaststätten in unserer Heim Nähe zugeschickt. WhatsApp sei Dank.

Eine Eisdiele konnten sie wohl in der ganzen Zeit nicht finden, ich hatte ihr verraten, dass im Gefrierfach Eis steht, welches sie gerne verbrauchen können. Sie machte aber keinen Gebrauch davon. Wo sie doch verrückt nach Eis ist. Die Blumengießhilfe wurde mit den Worten " Ich benötige keine Hilfe, sollen mich alle zufrieden lassen" wieder weg geschickt, so dass ich mich per WhatsApp für den Einsatz entschuldigen musste. Ich schrieb allerdings dabei, dass meine Mutter ihren eigenen Kopf habe. Ich weiß nun nicht, ob das geholfen hat. (Das werde ich am Dienstag fest stellen, dann treffe ich sie wieder beim Yoga) Eine Putzkraft hatte ich auch bestellt, das war meiner Mutter gar nicht recht, sie meinte "also 3 Stunden hat die hier verbraucht, was macht ihr in dieser Zeit eigentlich!"  Ich antwortete, dass es für uns gar kein Problem darstellt und wir in der Zeit arbeiten. Ich wollte eben nur das Beste und nun sieht man einmal, das jeder Mensch hier (auch der Leser) seinen eigenen Kopf und seine eigene Meinung haben kann und darf. Das zum Thema Housesitting. Ich überlege mir demnächst drei Mal, ob ich das wieder so mache, wie gerade passiert. Ein Gutes hatte es aber: Die Blumen blühen wunderbar und sind auf jeden Fall gegossen worden. Nachtrag: Sie sind eigenartiger Weise auch wieder nach Hause gefahren, bevor wir wiederkamen. Warum auch immer. Das wird wohl offen bleiben....

Housesitting - Hilfe meine Mutter kommt! Teil1

Immer wieder denke ich im Urlaub an unser zu Hause und ertappe mich dabei, mir Sorgen zu machen. Was ist wenn.... das ist der Anfang einer Frage, der den Stein ins Rollen bringt. Dieses Mal sollte es aber anders kommen. Ich hatte geplant, ein Houssitting an meine Familienmitglieder zu verlosen. Quasi wer Zeit hat könnte ein paar Tage bei uns Urlaub machen. Die Wahl traf auf meine Mutter und ihren Partner. Sie wollten in der Zeit, in der wir Zwei Urlaub genießen das Haus bewachen. Damit das keine Umstände für sie machen sollte, hatte ich auch jemanden aus dem Ort gebeten, die Blumenkübel zu gießen. Nun, ich gebe zu, meine Mutter ist seit gefühlten 5 Jahren mindestens, und auch nach mehrmaligem Nachfragen nicht mehr bei mir gewesen. Gerade deshalb gestaltete sich die Vorbereitung etwas schwierig. Vom Betten beziehen und Einkaufen einmal ganz abzusehen. Schließlich hat jedes Haus so seinen eigenen Charakter und auch so seine Tücken. Keiner von uns ist perfekt! Der Leser erinnert sich, dass ich im besten Alter bin, so dass man davon ausgehen sollte, dass meine Mutter eben noch älter ist . Quasi im dreiviertel ihres Lebens, oder Herbst, wie man so sagt. Sie geht auf die 80 zu, ist aber noch ziemlich gut beieinander. So dass ich ihr die Fahrt hier her eigentlich gut zutraue. Gesagt, getan. Da sie erst anreisen wollte, als wir schon unterwegs waren ( worüber man sich sicher wundert) war ich gezwungen, ein Video von unserem Haus zu drehen und zu erklären. Überall lagen Zettel mit Bedienungsanleitungen, von der Kaffeemaschine über den Schalter, Licht und auch den Fernseher. Ich sage es ja, jedes Haus hat so seine Eigenarten.

Nun gut. Lassen wir es mal drauf ankommen. Des Weiteren hatte ich Zettel hinterlegt, wo was zu finden sei, ich meine Einkaufstechnisch und auch überhaupt so Eis essen, Gaststätten, Ausflugsziele und Arzt. Das ganze Programm eben. Ich saß ehrlich gesagt bis in die Nacht und habe nur geflucht. Raussuchen, aufschreiben, Hygienekonzepte ausarbeiten, Corona Tests besorgen, Telefonnummern, ein ganzes Buch beinahe. Und dann noch den W-Lan Schlüssel. Und die Bedienung dazu. 

Nun gut . Es wäre so einfach gewesen, einen Tag vorher zu erscheinen um sich vor Ort alles anzusehen, das W-Lan einzurichten. Sachen von Minuten, nun sitze ich seit Stunden hier und suche, schreibe und fluche, Innerlich. Es ging wohl nicht anders. Der Leser wird den Kopf zurecht schütteln und fragen, warum man sich so etwas antun muss. Ich denke am Besten nicht darüber nach. Bis dahin dachte ich, ich kenne meine Mutter, ich hatte mich wohl in diesem Teil meines Gedanken geirrt. Völlig erschöpft falle ich mitten in der Nacht in das Bett und überlege hoffentlich nichts vergessen zu haben. Den zweiten Haustürschlüssel hatte ich beim Nachbarn abgegeben. Am nächsten Tag wache ich mit Kopfschmerzen auf und bereite das Frühstück vor. Der Gesprächsstoff war, wie nicht anders zu erwarten die Ankunft meiner Mutter mit ihrem Lebensgefährten. Wir fahren los und überlassen unser Haus und Anwesen dem ich weiß nicht was. Wie Sie sicher vermuten kommt alles ganz anders, wie erwartet, Sie dürfen als Leser gespannt bleiben....


Donnerstag, 10. Juni 2021

Sommerhitze

Auf meiner morgentlichen Runde merke ich meist auf dem Rückweg, wie die aufsteigende Sonne mir den Atem nimmt. Es wird schwül und ist alles andere als schön. Der Umstand ist so erdrückend, dass ich, sobald ich wieder zu hause angekommen bin erst einmal ein paar Schlucke kaltes Wasser zu mir nehmen muss, um mich besser zu fühlen. Meine Füße schmerzen an solchen Tagen, an anderen Tagen merke ich nichts davon. Bis in den späten Nachmittag hinein erstreckt sich das Gefühl, nicht atmen zu können. Das bessert sich auch nicht, wenn der Garten gegossen wird. Niemand hält sich draußen auf, die Straßen sind staubig und leer. Es macht auch keinen Sinn, in den Vormittagsstunden oder gar in der Mittagshitze zu arbeiten. Deshalb nehme ich an solchen Tagen nur leichte Kost zu mir, um mich nicht unnötig zu belasten und versuche, viel zu trinken, was mir leider nicht immer so gelingt, wie ich es gerne für mich hätte. Es ist nahezu unausstehlich, wie die Hitze in alle Ecken kriecht, hinein in die Kleidung, in das Gemüt, in die Seele. Die Luft zum Atmen ist schwer, das ändert sich auch nicht, wenn ich mir mit einem Fächer oder der Tageszeitung Luft zu fächere. Wie erquickend sind dagegen die Momente der kühlenden Abende, man hat das Gefühl, wieder durchatmen zu können. Selbst die Vögel in unserem Garten sitzen tagsüber mit aufgerissenen Schnäbeln und ringen nach Luft. Am Abend aber werden sie dann wieder munter und suchen die Futterstellen im Garten ab, wovon es reichlich gibt. Sie teilen sich die letzten Früchte und Körner mit einem Igel Paar, welches recht munter und unbeeindruckt von der Hitze im Garten umherspaziert und ungeniert schmatzend sich von Futterstelle zu Futterstelle begibt, um die Reste abzugrasen. Es scheint ihnen vorzüglich zu schmecken... 

Montag, 10. Mai 2021

Muttertag, Tochtertag, Enkeltag Corona Test...

Freitag früh. Es regnet es und ich habe es eilig. Kaum aus den Federn putze ich fast nebenbei meine Zähne, Wasche in Windeseile mein Gesicht. Ich bin spät dran. In ein paar Minuten muss ich zum Corona Test. Der Test Bus steht im Nachbarort auf dem Edeka Parkplatz, musste es ausgerechnet jetzt regnen! Ich ziehe mich an und stolpere ohne Frühstück los. Scheißwetter! Unterwegs kaum jemand auf der Straße. Dort angekommen, biege ich auf den Edeka Parkplatz ein und es stehen wenig Autos dort. Wer will bei dem Wetter schon einkaufen, denke ich. Es hat etwas Gutes, denn ich kann mein Auto so parken, dass ich das Geschehen um den Test Bus beobachte und warte. Im Auto. Regentropfen klatschen an die Autoscheibe, sie beschlägt von Innen. Ich hasse das Gefühl, wenn man nichts sehen kann und öffne die Scheibe auf der Fahrer Seite, um mir einen besseren Überblick zu verschaffen. Es regnet rein. Wie blöd! Scheibe wieder runter und Frust macht sich in mir breit. Warum? Denke ich bist du eigentlich jetzt hier? Lohnt sich der Test überhaupt? Doch ich warte. Ich sehe Leute kommen, sie klopfen an die geschlossene Bus Tür, diese öffnet sich und ich sehe, wie sie Unterlagen abgeben und die Tür dann wieder geschlossen wird. In mir kocht es förmlich! Blöde Drängler! Denke ich und öffne die Autotür, um auszusteigen. Umständlich fummele ich mir die Maske vor das Gesicht, suche die ausgefüllten Formulare vom Beifahrersitz , meinen Personalausweis und knalle die Autotür zu. Es regnet immer noch, in der einen Hand meine Unterlagen, in der anderen der Autoschlüssel und meine Tasche. Oh man! denke ich, was für ein blöder Umstand. Ich schlängele mich durch die Autoreihe , bis ich vor dem Test Bus stehe, in dem Augenblick öffnet die Tür, der Fahrer muss mich wohl gesehen haben. Er nimmt mir wortlos die Unterlagen ab, die Tür schließt automatisch, ich stehe im Regen. Regentropfen laufen von meinen nassen Haaren in das Gesicht. Keinen Schirm, hämmert es mir durch den Kopf. Neben dem Bus steht ein Sonnenschirm von der Krankenkasse mit einem kleinen Tisch und Kugelschreiber. Zwei Leute stehen dort dicht gedrängt, ich schiele dorthin und überlege, ob ich mich dazu stellen sollte? Ambivalente Gefühle machen sich in mir breit. Alle tragen Mundschutz, deshalb stelle ich mich einfach dazu. Die Blicke treffen mich, ich mustere und schiebe den Gedanken an die Seite.... 

Montag, 3. Mai 2021

Hausarztgeflüster - Gedankenkarussell zu Coronazeiten

 Wie ich in den vorigen Posts schon geschrieben hatte, stellte sich heraus, dass die Suche nach einem für mich geeignetem Hausarzt oder Hausärztin sich als äußerst zäh und schwierig gestaltete. In meinem früheren Leben als Arzthelferin in leitender Stellung war das überhaupt kein Problem, die Türen waren offen und ich hatte immer das Gefühl, schon von Weitem herein gewunken zu werden.

Der rote Teppich für Insider - quasi VIP Lounge. Jetzt, wo ich unter "ferner liefen" gelte, bin ich nur eine Nummer, die oft nicht einmal leuchtet. Einen bleibenden Eindruck hinterlasse ich sicher nicht, da mich schwerwiegende Erkrankungen und Gebrechen zum Glück (noch) nicht heim gesucht haben. Immer öfter bin ich ziemlich dankbar dafür. Trotzdem bin ich ein Mensch mit Bedürfnissen und ich habe gerade jetzt in der "Corona Zeit" den Eindruck, dass die Ärzte und Angestellten gleichermaßen froh sind, wenn der Patient die Praxis wieder verlässt. Da hatte ich neulich so ein Erlebnis, welches ich hier einmal näher schildern möchte: 

Die Tage sind nicht immer gleich, auch bei mir gibt es hin und wieder mal ein Tief und ich habe den Eindruck, dass ich permanent in alle bereit gestellten Fettnäpfchen trete und auch sonst keine Gelegenheit auslasse, um Erlebtes in einem möglichst noch negativerem Licht erscheinen zu lassen. Dinge, die mir an anderen Tagen nicht auffallen würden, stören plötzlich immens, der Leser kennt das sicher zur Genüge. Heute war jedenfalls so ein Tag, an dem ich "nah am Wasser gebaut" war, wie man zu sagen pflegt. Jede Kleinigkeit störte mich und Tränen gab es im Überfluss. Einen Grund konnte ich nicht erkennen. Und ja, ich bin in den Wechseljahren! In meiner Verzweiflung beschloss ich, meine neue Hausärztin anzurufen und um einen Termin zu bitten. Am anderen Ende der Leitung teilte man mir mit, dass es im Moment günstig wäre, ich solle mich gleich auf den Weg machen. Ich zögerte, entschloss mich aber, gleich zu fahren, Mittags schloss die Sprechstunde, es war bereits 11:00 Uhr. Ich fuhr los. Eine halbe Stunde später angekommen bekam ich sogar einen Parkplatz vor dem Ärztehaus. Gemeinschaftspraxis. Einige wenige Patienten tummelten sich im Eingangs Bereich, die Hoffnung, schnell dran zu kommen erfüllte sich prompt. Kaum, das meine Chipkarte eingelesen worden war, konnte ich sogleich in das Behandlungszimmer. Die Tür wurde hinter mir geschlossen. Ich begann zu überlegen, was der Grund meines Besuches sein konnte. Was sollte ich sagen, wie sollte ich mich verhalten? Ich hatte keinen Plan, was nun auf mich zu kommen würde. So direkte sichtbare Beschwerden hatte ich nicht, dachte ich zumindest. Die Gesichtsmaske machte das Atmen fast unmöglich, zu allem Überfluss beschlug meine Brille. Magenbeschwerden und leichte Übelkeit machten sich in mir breit, mir war ziemlich mulmig. Wann hatte ich das letzte Mal etwas gegessen? Mag es heut früh gegen halb acht gewesen sein. "Sollte ich einfach gehen?" Noch war die Gelegenheit günstig, doch in diesem Moment trällerte ein fröhliches "guten Morgen" durch den Raum, ich fuhr etwas zusammen, das Öffnen der Türe hatte ich nicht mitbekommen. Etwas erschrocken stammelte ich "Morgen", mehr bekam ich nicht zusammen. Die Hausärztin ließ sich in den Schreibtischsessel fallen, der federte ein paar Mal zurück. Ich entnahm ihrem Gesicht einen forschenden Blick und gleichzeitig eine endlose Müdigkeit. Dann die Frage, was mir denn fehle. Ich wollte reden, wollte ihr erklären, warum ich hier sei, wusste aber nicht, was ich sagen sollte, suchte krampfhaft nach Worten, die mein Dasein in der Praxis und die Berechtigung, Patientin zu sein unterstreichen sollte, aber ich schwieg. Schwieg ins Leere. Das Kloßgefühl im Hals nahm mir die Luft, mein Kopf war eine einzige Achterbahn, ich konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen, ich verlor den Kampf und plötzlich rollten die ersten Tränen über mein Gesicht und genau in diesem Augenblich meinte die Hausärztin "Sie sehen ja fertig aus! Was ist denn mit Ihnen los?" Ich antwortete nicht, konnte nicht antworten, Tränen liefen über mein Gesicht und wurden zu Wasserfällen, meine Nase lief und ich nestelte in meiner Jackentasche umständlich nach einem Taschentuch. Durch meinen Kopf flogen Gedankenfetzen, einen klaren Satz bekam ich nicht mehr zusammen. Die Nerven lagen blank. Die Ärztin redete auf mich ein, ich verstand nur lückenhaft was sie sagte, musste nun dringend meine Nase putzen, weil der ganze Rotz schon gefühlt in die Atemmaske lief. Es ekelte mich an. Ich zog die Atemmaske einseitig ab und schnäuzte in das Taschentuch. In dem Moment sprang meine Hausärztin ruckartig auf, so dass der Stuhl, auf dem sie saß fast nach hinten geflogen wäre, hastete an das Fenster und öffnete es mit einem Ruck. Geräuschvoll. Ich erschrak. Vielmehr traf mich ein strafender Blick von ihr. Sie sprach während dessen kein Wort. Peinliche Stille, bis ich die Atemmaske wieder hoch ziehen und die Schlaufe hinter das Ohr gefummelt bekam.

Als die Atemmaske wieder vorschriftsmäßig saß, redete sie weiter, als wäre nichts passiert und ich versank noch tiefer in meine ziemlich emotional misslich Lage. Hörte am Rande etwas von Therapie und Depressionen, folgen konnte ich schon lange nicht mehr. Ich ließ es geschehen.

Am Ende überreichte sie mir einen Überweisungsschein und meinte: "Viel Glück und alles Gute für Sie" und dann war sie auch schon wieder weg. Als hätte die Begegnung nie statt gefunden. Den Überweisungsschein in der Hand stolperte ich unbeholfen aus der Praxis, draußen auf der Straße zog ich endlich die Atemmaske vom Gesicht und fühlte Kühle, unendliche Kühle, die mein Gesicht berührte. Endlich wieder fei atmen können! Ich sog die kalte Luft tief in mich hinein, das Kloßgefühl hatte sich schlagartig aufgelöst und genoss das großartige Gefühl von frischer Luft. Es roch nach Freiheit. Endlich raus! hämmerte es in meinem Kopf, ich wollte nur noch los und mit schnellen Schritten lief ich zu meinem Auto, riss die Fahrertür auf und ließ mich in den Autositz fallen. Ein flüchtiges, kaum merkbares Lächeln flog über mein Gesicht. Sekundenschnell. Den Überweisungsschein verstaute ich für das Erste tief im Handschuhfach, ohne einen einzigen Blick darauf zu werfen. Nur ein Stück Papier, dachte ich, es war mir scheißegal, was darauf stand! Ich bekam endlich wieder Luft, es ging mir schlagartig besser.

Ich fuhr nach Hause, die Gedanken sortierten sich und ich fühlte mich erleichtert und wie irgendwie frei. Eine Frage beschäftigte mich unterwegs dann doch noch: Ob sie unter ihrer Atemmaske Lippenstift trägt?...


© Susann Krumpen

Sonntag, 2. Mai 2021

Lipödem - das musste mal raus...

Die meisten Frauen auf dieser Welt wissen, wovon hier geschrieben wird. Betroffen sind viele, manche wissen es vielleicht nicht und andere gehen einen langen Weg bis zur Diagnose und Therapie. Manchmal vergehen Jahrzehnte. Und immer wieder die quälende Frage: Ob man selbst Schuld ist, an dem Lipödem? Ich sage ganz klar: NEIN! Ganz entschieden. Immer wieder höre ich von Ärzten, dass eine Gewichtsabnahme doch hilfreich wäre, oder die Hormonumstellung ein Faktor. Doch bei aller Liebe und Hingabe, ich bin eine Frau, die mit zwei Beinen im Leben steht. Und genau dort ist mein Ansatz. Was habe ich nicht schon alles versucht! Sport, Gewichtsabnahme, Ernährungsumstellung, Vitamine und Nahrungsergänzung, Kompressionswäsche, Schröpfen, Bürstenmassage und und und. Jede, die das hier liest, kennt die Litanei. Leute, es ist eine Erkrankung! Wohin soll der Sarkasmus gehen? Raucher werden auch behandelt. Also bitte schön. Und neulich musste ich mir vom Phlebologen sagen lassen "Was für schöne schlanke Beine!" Ich habe mich geschämt, den Termin überhaupt wahr genommen zu haben. Aber: muss das sein? Immerhin hat er mir ein Lipödem II bescheinigt. Rein diagnostisch natürlich. Ich frage mich allerdings, wie oft man noch dem Gespött und Demütigungen von Ärzten und Ärztinnen ausgesetzt sein soll! Und warum die Krankenkassen so tun, als wäre man gar nicht krank. Wäre es nicht gerecht, die Lebensqualität der Frauen wieder herzustellen, wo sie es doch sind, die einen tollen, großen Beitrag für die Gesellschaft leisten? ... 

© Susann Krumpen